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Caritas fordert effektive Armutsvermeidung und -bekämpfung - 17.02.10

Anlässlich einer Pressekonferenz zum 30 jährigen Jubiläum der Caritas- Sozialberatungsstelle in Wien forderte die Caritas eine effektive Armutsvermeidung und Armutsbekämpfung. Denn Armut ist auch in Österreich für viele Menschen tägliche Realität. Rund eine Million Menschen leben in Österreich laut "Statistik Austria" trotz des vergleichsweise gut ausgebauten Sozialstaates unter der Armutsgrenze, allein in Wien sind es 280.000 Menschen oder 17 Prozent der Bevölkerung. Caritasdirektor Michael Landau betont: "Die Wirtschaftskrise hat arme Menschen am stärksten getroffen. Bei den Budgetverhandlungen der kommenden Monate darf unter keinen Umständen ein Sparpaket auf Kosten der Schwächsten geschnürt werden. Hier kann mit geringem Einsparungspotential großer Schaden angerichtet werden."
Die österreichweit 33 Caritas Sozialberatungsstellen sind so etwas wie soziale Brandmelder in der Gesellschaft. Ein Drittel der Menschen, die sich hilfesuchend an die Caritas Sozialberatungsstellen wenden, hat nach Abzug der Fixkosten rund ums Wohnen weniger als 4 Euro täglich zur Verfügung, d.h. 4 Euro müssen für Essen, Kleidung oder auch Babynahrung und Windeln für die Kinder ausreichen. Bettina Schörgenhofer, Bereichsleiterin Soziale Arbeit: "Die Menschen kommen schon lange nicht mehr in unsere Beratungsstellen, um Unterstützung für den Schulschikurs der Kinder zu erhalten. Heute geht es um den existenziellen Lebensbedarf: Die Menschen wenden sich hilfesuchend an die Caritas, weil sie ihre Mieten oder Energierechnungen nicht mehr begleichen können oder weil der Kühlschrank leer ist." Die Wirtschaftskrise und die hohe Arbeitslosigkeit haben ein Phänomen, das es vor der Krise schon gab weiter verstärkt. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird größer. Die Erfahrungen der SozialarbeiterInnen zeigen, dass die Ursachen für ein Leben in Armut vielfältig sind: Einerseits handelt es sich um strukturelle Armutsursachen wie "working poor" oder Mangel an Arbeit, von der man auch leben kann. Andererseits sind es oft Brüche im Leben, wie Scheidung oder Krankheit, die eine Abwärtsspirale in Gang setzen. Verschuldung, Delogierung, soziale Isolation und Resignation sind die dramatischen Folgen. Landau: "Die Krise hat deutlich gemacht: Der Sozialstaat ist kein Auslaufmodell sondern eine Investition in den sozialen Zusammenhalt und in die Sicherheit der Menschen." Aus Sicht der Caritas sind dafür einige Voraussetzungen erforderlich:
1) Arbeit, von der man leben kann.
2) eine Mindestsicherung, die diesen Namen auch verdient.
3) ein faire Zugang zu sozialen Diensten, etwa der Pflege, der Kinderbetreuung, der Gesundheitsversorgung, der Bildung.
"Das Jahr 2010, das europäische Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzung wäre eine große Chance Mut zu beweisen und Veränderungen zu ermöglichen. Die Not der Menschen muss endlich angemessen ernst genommen werden statt sie kleinzureden", so Landau.
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