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Jugend und Integration - 26.05.11

v.l.n.r.: Ranka Savic-Cergic, Simon Inou, Tülay Tuncel, Emanuel Danesch

Prominentes Podium und lebhafte Diskussion beim zweiten Themenabend von "ZusammenReden" in Ebreichsdorf

Jugendliche aus Zuwandererfamilien stehen in unserer Gesellschaft vor ganz spezifischen Herausforderungen. Rund 50 BesucherInnen - darunter viele Jugendliche - verfolgten am 24. Mai in Ebreichsdorf den zweiten von vier Diskussionsabenden der Ebreichsdorfer Integrationsgespräche. Das Thema der Veranstaltung, die von der Caritas der Erzdiözese Wien (Asyl & Integration NÖ) gemeinsam mit der Gemeinde Ebreichsdorf organisiert wird, lautete "Jugend und Integration". Im Rathaussaal diskutierte Journalist Simon Inou gemeinsam mit Emanuel Danesch (POIKA, Verein für gendersensible Bubenarbeit in Erziehung und Unterricht) und Ranka Savic-Cergic (Serbischer Dachverband Niederösterreich KOSSA). Geleitet wurde die Diskussion von Tülay Tuncel (Wiener Integrationskonferenz).

"Stehen Jugendliche mit Migrationshintergrund tatsächlich vor anderen Problemen?" Mit dieser Frage eröffnete Tuncel den spannenden Diskussionsabend. "Natürlich sind die Sprachkenntnisse oft ein Problem", erwiderte Savic-Cergic. "Wenn Eltern den ganzen Tag arbeiten müssen und selbst schlecht Deutsch sprechen, haben Kinder oft Probleme in der Schule." Ihr Appell: "Mehr Hilfestellung und Förderunterricht! Diese Kinder auf keinen Fall gleich in Sonderschulen abschieben!" "Ich spreche eigentlich nicht gerne über Probleme, sondern über Möglichkeiten", meinte Danesch darauf. "In meiner Arbeit geht es z.B. stark darum, welche unterschiedlichen Rollenvorstellungen junge Männer vom "Mann-Sein" haben. Wir bieten ihnen einen geschützten Raum, um über ihre Anliegen zu sprechen." Danesch kritisierte in diesem Zusammenhang auch den Umgang mit dem Wort Integration. "Integration ist ein sich ständig wandelnder Begriff und hat nichts damit zu tun, dass eine kleine Minderheit sich an das große Ganze anzupassen hat."

"Afro-österreichische Jugendliche sind vor allem wegen ihrer Hautfarbe mit massiven Vorurteilen und Rassismen konfrontiert", stellte Inou fest. "Sie werden automatisch als nicht-österreichisch wahrgenommen." "Rassismus gibt es unter allen Menschen - auch unter Migranten", ergänzte ein Jugendlicher. "Ich kenne das aus meinem Freundeskreis, wo sich die Jugendlichen nur nach Herkunftsländern gruppieren." Dem konnte Inou nur


zustimmen: "Vorurteile gibt es überall, das ist leider richtig." Er bemängelte außerdem das Bild, das österreichische Schulbücher von schwarzen Menschen vermitteln. "Entweder sind Schwarze faul, Sportler oder Musiker. Hier muss verstärkt angesetzt werden." Ein Besucher ging noch einen Schritt weiter: "Beginnen muss es schon im Kindergarten." Bereits hier sollte eine tolerantere Grundhaltung vermittelt werden. Ein Mädchen aus dem Publikum brachte es schließlich auf den Punkt. "Ansetzen muss man bei den Eltern. Wenn Kinder Vorurteile haben, kann es eigentlich nur von ihnen kommen."

Das nächste "ZusammenReden" in Ebreichsdorf:
 
"Religion - eine Frage für die Integration?"
WANN: 17. Oktober 2011, 18.30 Uhr
WO: Rathaussaal
Enver Cevik, Integrationsbeauftragter der Gemeinde Ebreichsdorf
Anna-Maria Bauer, stv. Vorsitzende des Pfarrgemeinderats
Soma Ahmad, Forum Emanzipatorischer Islam
Moderation: Thomas Schmidinger, Politikwissenschaftler, Universität Wien

Die Gesprächsreihe "ZusammenReden" wird vom Land Niederösterreich, dem Bundesministerium für Inneres und dem Europäischen Integrationsfonds gefördert. Informationen zu allen weiteren Veranstaltungen in Ebreichsdorf unter: www.zusammenreden.net/ebreichsdorf.

  

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