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Starthilfe in eine bessere Zukunft: Caritas eröffnet Lerncafés in Favoriten - 14.12.11

Bildungsarmut wird vielfach vererbt und bedeutet gleichzeitig auch Chancenarmut. Kinder aus armen und bildungsfernen Familien erzielen im Vergleich meist geringere Bildungserfolge als andere Kinder. Sie sind besonders gefährdet, die Schule frühzeitig abzubrechen oder negativ abzuschließen und haben damit auch auf dem Arbeitsmarkt schlechte Karten. Ihre Eltern haben oft weniger Möglichkeiten, sie ausreichend zu fördern. Die Gründe dafür sind vielfältig: kein Geld für Nachhilfestunden oder Nachmittagsbetreuung, ein niedriges Bildungsniveau, mangelnde Deutschkenntnisse, Berufstätigkeit etc. Vor diesem Hintergrund hat die Caritas mit den "Lerncafés" ein kostenloses Lern- und Nachmittagsbetreuungsangebot ins Leben gerufen. Gestern eröffnete die Caritas der Erzdiözese Wien mit Unterstützung des Staatssekretariats für Integration, der Stadt Wien und dem Papier- und Verpackungsmittelhersteller Mondi zwei Lerncafés im 10. Wiener Gemeindebezirk. Täglich sollen dort bis zu 60 Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien altersgerecht in Lerngruppen und individuell auf ihrem Bildungsweg unterstützt werden. Das Angebot richtet sich in besonderem Maße an Kinder mit Migrationshintergrund. Hilfe leisten dabei derzeit sechs hauptberufliche und rund 50 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Caritasdirektor Michael Landau: "Jedes Kind - egal welcher Herkunft - hat ein Anrecht darauf, umfassend unterstützt zu werden. Chancengerechtigkeit ist hier ein Schlüsselbegriff. Aber dieser Begriff muss mit Leben gefüllt werden. Bildung braucht faire, gleiche Chancen." Doch die Statistiken zeigen, dass das Bildungssystem in Österreich heute noch weit davon entfernt ist. Je geringer die formale Bildung, desto höher auch das Risiko, von Einkommensarmut betroffen zu sein - und es auch zu bleiben. So lebt beispielsweise jede fünfte Person über 16 Jahren (21%) mit höchstens einem Pflichtschulabschluss in einem Haushalt mit einem Einkommen unterhalb der Armutsgrenze. "Manche Kinder beginnen den Bildungswettlauf sozusagen 100 Meter hinter der Startlinie. Bildung ist aber ein wichtiger Schritt, um der Armutsspirale zu entkommen. Eine möglichst frühe Förderung und Unterstützung ist dabei entscheidend. Wir dürfen nicht hinnehmen, dass der Bildungsweg stärker vom sozialen Hintergrund der Eltern bestimmt wird, als von der Begabung der Kinder," so Landau weiter.

Das erste Caritas-Lerncafé startete im Herbst 2007 in Graz. Die Unterstützung der Öffentlichen Hand - nun auch mit Mitteln des österreichischen Integrationsstaatssekretariats - und der Privatwirtschaft ermöglicht es der Caritas, das wertvolle Bildungsangebot auf alle neun Bundesländer auszudehnen. In den 14 Lerncafés der Caritas werden österreichweit rund 400 Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 6 und 15 Jahren betreut, zwei weitere Lerncafés sollen noch im Frühjahr eröffnet werden. Seit diesem Schuljahr gibt es dieses Angebot nun auch in Wien. "Bildung ist ein wesentlicher Schwerpunkt unserer Arbeit in Wien und darf nicht von ökonomischen oder sozialen Umständen abhängig sein. Gerade für die von Armut betroffenen Familien sind die Nachhilfe-Stunden eine zusätzliche finanzielle Belastung. Das Angebot der kostenlosen Lernunterstützung entlastet diese Familien und hilft vor allem den Kindern ihre Leistungen zu verbessern. Ich freue mich, dass sich auch so viele Menschen ehrenamtlich in diesem Bereich engagieren", so Christian Oxonitsch, Wiener Stadtrat für Bildung.

Auch Integrationsstaatsekretär Sebastian Kurz hebt die Unterstützung durch die freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hervor: "Besonders wichtig ist mir: Danke sagen für die ehrenamtliche Leistung der freiwilligen Lehrkräfte im Lerncafé - ohne diese Menschen würde es das Projekt nicht geben können." Kurz betont vor allem die frühe, individuelle Förderung der Kinder, auf die es ankomme: "Integration funktioniert durch Leistung. Und im Kindesalter ist diese Leistung Deutsch lernen. Dann funktioniert Integration. Leistung ist freiwillig und wer früher damit anfängt, umso besser. Wer Deutsch lernt, kann auch später Erfolg in der Schule haben. Deshalb ist es mir wichtig, hier anzusetzen." 

Nach dem Motto "Integration durch Bildung" engagiert sich auch der Papier- und Verpackungshersteller Mondi stark in diesem Bereich und ist hier ein wichtiger Partner der Caritas geworden. "Dieses Lerncafé im 10. Wiener Gemeindebezirk ist seit 2009 bereits unser viertes gemeinsames Lerncafé mit der Caritas in Österreich. Wichtig ist für uns, dass diese Projekte in der Nähe unserer Standorte verwirklicht werden, so dass wir weitere Unterstützung anbieten können, wie zum Beispiel eine Führung in einem unserer Werke, die Vorstellung von Lehrberufen oder die Organisation von gemeinsamen Nachmittagen mit den Kindern. Unsere sozialen Aktivitäten sollen im Unternehmen gelebt  werden. Auch dieses Projekt ist ein Beleg dafür, dass unsere CSR-Aktivitäten langfristig angelegt sind", erläutert Albert Klinkhammer, Head of Corporate Social Responsibility bei Mondi Europe & International.

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