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Landau: Jetzt keine Absperrungen bei Strom, Gas und Fernwärme - 10.02.2012

Viele Menschen wenden sich in diesen Tagen an die Caritas Sozialberatungsstellen, weil sie bei eisigen Temperaturen vor der Entscheidung stehen: Soll ich essen oder heizen? Sie sind verzweifelt, weil sie offene Energierechnungen haben, die sie aufgrund ihrer knappen finanziellen Situation nicht bewältigen können. Energiearmut ist ganzjährig ein Thema, besonders angesichts der aktuellen Kältewelle spitzt sich die Situation der Menschen zu.  Viele Menschen in unserem Land sitzen in diesen Tagen in ihrer kalten Wohnung, unvorstellbar bei dieser klirrenden Kälte. 313.000 Menschen können in Österreich ihre Wohnung nicht angemessen warm halten.

Caritasdirektor Michael Landau: "Ich appelliere an die Energieversorgungsunternehmen, aktuell darf es keine Absperrungen von Strom, Gas oder Fernwärme geben! Das wäre unmenschlich, hartherzig und mit nichts zu argumentieren. Heizen und kochen zu können oder  warmes Wasser zu haben, sind Grundbedürfnisse - kein Luxus! Das gilt bei den derzeit herrschenden arktischen Temperaturen mehr denn je." Gerade jetzt gilt es, das soziale Engagement, das viele Energieversorgungsunternehmen zeigen, noch auszubauen.

Aus Sicht der Caritas sind folgenden Maßnahmen nötig:

1. Keine Energiesperren (Strom, Gas, Fernwärme) bei Minusgraden!

2. Wiederaufnahme der Energielieferung bei Minusgraden an Haushalte, bei denen eine Energiesperre vorgenommen wurde!

Vorsorge für kommende Kälteperioden durch

3) PrePayment statt Abschaltung
Eine Minimalversorgung mit Energie ist ein grundlegendes menschliches Bedürfnis und muss deshalb auch gewährleistet bleiben, wenn aus marktwirtschaftlicher Perspektive eine Absperrung angezeigt ist. Prepayment-Systeme, kombiniert mit Leistungsbegrenzern, können auch bei hohen Energieschulden eine Option sein, da neue Schulden nicht angehäuft werden können. Gleichzeitig kann in diesem Rahmen auch eine Rückzahlung von Energieschulden erfolgen, wobei auf eine sozialverträgliche Regelung unbedingt zu achten ist.

4) Schaffung eines Fonds für energieeffiziente Geräte seitens der Energieunternehmen
Der hohe Energieverbrauch in armutsbetroffenen Haushalten ist meist nicht Folge von Verschwendung. Diese Menschen haben kein Geld, um defekte Heizungen reparieren zu lassen oder nicht-energieeffiziente Geräte gegen neue auszutauschen. Zudem leben sie häufige schlecht isolierten Gebäuden mit undichten Türen und Fenstern, können ihre Energierechnung also wenig beeinflussen. Das rächt sich bei der derzeit klirrenden sibirischen Kälte unbarmherzig: mit Frieren - oder mit astronomisch hohen Stromrechnungen, wenn Betroffene in der Verzweiflung auf strombetriebene Heizgeräte zurückgreifen. Daher plädieren wir als Caritas für einen Fonds der Energieunternehmen für Reparaturen oder den Austausch von veralteten, oft auch defekten Haushaltsgeräten. Neue energieeffiziente Geräte können zum einen Energiekosten nachhaltig senken und haben zum anderen positive Umweltaspekte.

 5) Gleichzeitig darf es nicht bei  freiwilligem Engagement der Energieversorgungsunternehmen allein bleiben. Die Politik ist aufgerufen, Energiearmut endlich als Verletzung grundlegender Bedürfnisse wahrzunehmen und als Thema auf der politischen Agenda weit oben anzusiedeln. Hier braucht es auch gesetzliche Regelungen und entsprechende Unterstützungsinstrumente.

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