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Landau: Behinderte haben Recht auf Zugang zum Arbeitsmarkt - 26.05.10

Wien, 26.05.10 (KAP) Der Wiener Caritasdirektor Msgr. Michael Landau
hat ausreichende Zugänge von Menschen mit Behinderung zur
Erwerbsarbeit gefordert. Das sei ein "ganz wichtiger Faktor", wenn
es um Armutsvermeidung und -bekämpfung in dieser Bevölkerungsgruppe
gehe, betonte Landau am Dienstagabend bei einer Podiumsdiskussion
über "Behinderung, Armut und soziale Ausgrenzung". Konkret forderte
er flexible Übergänge zwischen Sozialleistungen und Erwerbsarbeit;
z.B. solle Menschen in psychischen Krisen ermöglicht werden, in
geringem Stundenausmaß berufstätig zu sein, oder in
Beschäftigungstherapien Eingebundene sollten in die
Pensionsversicherung eingebunden werden, was ihnen derzeit durch die
Abgeltung mit Taschengeld statt mit Lohn verwehrt bleibe.

In den Arbeitsmarkt integrierende Dienste wie Arbeitsassistenz oder
Job-Coaching würden auch in Zukunft unerlässlich sein, so Landau.
Dies durchzusetzen, sei eine Frage des politischen Willens, nicht
des Könnens, unterstrich der Caritasdirektor: "Behindert ist, wer
behindert wird."

Landau sprach bei einem Informationstag, den das Sozialministerium
anlässlich des EU-Jahres zur Bekämpfung von Armut und sozialer
Ausgrenzung in der Messe Wien veranstaltete. Mit Landau diskutierten
u.a. Günther Schuster, Leiter des mitveranstaltenden
Bundessozialamtes, sowie Behindertenanwalt Erwin Buchinger.
Sozialminister Rudolf Hundstorfer hatte bereits am Nachmittag
Schwerpunkte seines Ressorts zum Europäischen Jahr dargelegt.

Behinderte stark armutsgefährdet

Landau wies in seinem Statement auf den engen Zusammenhang zwischen
Behinderung und Armut hin. Betroffene hätten eine
überdurchschnittlich hohe Armutsgefährdungsquote von 18 Prozent.
Auch die Quote der manifesten Armut in Behindertenhaushalten - denen
816.000 Österreicher angehören - sei mit zehn Prozent rund doppelt
so hoch wie jene der Gesamtbevölkerung. Sozialleistungen hätten
somit gerade für Behinderte und und deren Angehörige eine besondere
Bedeutung, sagte Landau: "Ohne Sozialtransfers und Pensionen wären
statt 15 Prozent rund zwei Drittel dieser Haushalte
armutsgefährdet." Das wiederum weise auch auf Benachteiligungen am
Arbeitsmarkt hin und darauf, dass über Erwerbseinkommen das
Auskommen nicht gesichert werden könne, erklärte der Wiener
Caritas-Chef.

Landau warnte nachdrücklich vor einer Sparpolitik auf dem Rücken der
sozial Schwächsten - "und da sind auch Menschen mit Behinderung
gefährdet". Derzeit falle auf, dass die Spardebatte einseitig
verlaufe und auf den unteren Rand der Gesellschaft fokussiert sei,
statt fairerweise auch den oberen Rand miteinzubeziehen.

Ein wichtiger Grundstein für spätere Nachteile behinderter Menschen
wird nach Einschätzung Landaus bereits in der Schulausbildung
gelegt. Er erneuerte seine Forderung nach nicht selektierender,
inklusiver Bildung, die letztlich allen Kindern zu Gute komme. Die
Unterrichtsmethoden müssten im Sinne von mehr projektorientiertem
Arbeiten, Kleingruppen, Teamwork und Gegenseitigkeit verändert
werden, damit das Ziel einer "Schule für alle" Wirklichkeit werden
könne.

Es gehe um die Aufnahmefähigkeit und -bereitschaft der Gesellschaft
insgesamt und um die Einsicht: "Es ist normal verschieden zu sein."
Nach den Worten Landaus gibt es ein "Recht auf Verschiedenheit, auf
das je eigene Leben, auf die Entfaltung der eigenen Stärken,
Talente, die jeder und jede hat".

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