Situationsbericht

Die Republik Moldau ist das ärmste Land Europas. Die Menschen leiden unter der schwachen Wirtschaft und einem kaum vorhandenen sozialen Netz. Die Folge ist die massive Abwanderung von Arbeitskräften ins Ausland.

Nur knapp eineinhalb Flugstunden von Wien entfernt liegt die Republik Moldau. Die Armut ist in diesem osteuropäischen Land mit knapp 3,6 Millionen Einwohnern allgegenwärtig: Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze. Die verarmten Menschen sind mit niedrigen Einkommen, erschwertem Zugang zu Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen und sozialer Ausgrenzung konfrontiert. Die Lebenserwartung beträgt in der Republik Moldau nur 68,9 Jahre - in Österreich liegt diese bei 80,4 Jahren. Trotz intakter Familie müssen manche Kinder in staatlichen Heimen aufwachsen, weil ihre Eltern sie einfach nicht ernähren können.

Sozialwaisen

Ein weiteres Problem ist die Abwanderung: Ein Viertel der arbeitsfähigen Menschen haben das Land verlassen, um im Ausland Arbeit zu finden. Sie schicken Geld zurück - ohne diese Unterstützung aus dem Ausland könnten viele Familien nicht überleben. Die Arbeitsmigration hat jedoch weitreichende soziale Folgen: Eltern, die im Ausland arbeiten, lassen ihre Kinder bei den überforderten Großeltern oder anderen Verwandten zurück. So werden sie zu vernachlässigten "Sozialwaisen". Die Schule wird häufig abgebrochen, viele Kinder landen auf der Straße.

Der eigentlich kostenlose Schulbesuch bedeutet für viele eine finanzielle Krise, weil viele Extrakosten anfallen. Universitäten und Fachhochschulen fordern hohe Studiengebühren. Für Kinder und Jugendliche fehlen die Zukunftsperspektiven in ihrer Heimat; deshalb ist für viele von ihnen der Weg in ausbeuterische Arbeitsverhältnisse im Ausland bereits vorgezeichnet. Laut einem Bericht von UNICEF sind in den vergangenen zehn Jahren über 130.000 junge Leute zwischen 14 und 24 Jahren ins Ausland abgewandert. Die Republik Moldau gilt zudem als eines der "Hauptlieferländer" für den Menschenhandel.

Marodes Gesundheitswesen

Das Gesundheitswesen ist in einem Zustand der Dauerkrise. Pflegebedürftige Menschen fristen allzu oft ein unwürdiges Dasein in ärmlichen Behausungen. Alte Menschen bleiben unversorgt zurück. Da die medizinische Versorgung - vor allem am Land - nicht flächendeckend ist, sterben viele Menschen an Krankheiten, die eigentlich leicht zu behandeln wären. Armutskrankheiten wie Tuberkulose sind extrem angestiegen, und auch Erkrankungen aufgrund verseuchten Trinkwassers sind weit verbreitet. Die Müttersterblichkeitsrate beträgt 22 auf 100.000 Lebendgeburten (Österreich: 4), und die soziale Absicherung von Müttern in der Zeit nach der Geburt des Kindes ist völlig unzureichend.

Schwache Wirtschaft


Der Industrialisierungsgrad des Landes ist gering, das Wirtschaftswachstum ist sehr schwach. Zwar ist das Einfuhrverbot, das Russland im Jahr 2006 verhängt hatte, wieder aufgehoben worden; die früheren Absatzmärkte für landwirtschaftliche Produkte sind dadurch aber weggebrochen. Notwendige Investitionen in Infrastruktur, Bildungs- und Sozialbereich sind durch die wirtschaftliche Krise nicht möglich. In der Landwirtschaft fehlt es zudem an Maschinen, Düngemittel und Saatgut.

Die Entwicklung des Landes wird auch von einem "eingefrorenen" Konflikt im Osten des Landes gehemmt: Die "Dnjestr-Republik", im Ausland bekannt als Transnistrien, hatte 1990 ihre Unabhängigkeit von Moldau erklärt. Der schmale Streifen Land hat etwa die Größe des Burgenlandes und wird international nicht als Staat anerkannt, von Russland aber politisch und ökonomisch unterstützt.

Mit dem Beitritt von Rumänien und Bulgarien zur EU wurden die Grenzen zur Ukraine und zur Republik Moldau nun zur neuen EU-Außengrenze. Wegen dieser Randlage streben Staatsbürger der Republik Moldau mit rumänischem Hintergrund die Staatsbürgerschaft Rumäniens an: Rund 800.000 Menschen haben Staatsbürgerschaftsanträge gestellt.

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Republik Moldau & Transnistrische Moldauische Republik

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