Situationsbericht

Die Ukraine ist das drittärmste Land Europas. Eine schwache Wirtschaft und sehr hohe Lebenserhaltungskosten lassen UkrainerInnen in großen Zahlen auswandern. Besonders Kinder und andere soziale Randgruppen haben unter der Armut und dem schwachen sozialen Netz zu leiden.

Obwohl immer mehr westliche und russische Firmen in der Ukraine investieren, bleibt der Großteil der Bevölkerung vom Wohlstand ausgeschlossen. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. In den vergangenen Jahren ist es zu massiven Teuerungen gekommen. Preise für Grundnahrungsmittel sind um das Zweifache gestiegen: Das Kilo Schweinefleisch kostet zum Beispiel 6 Euro. Die Sozialbeihilfen und Mindestpensionen sind im Gegenzug nicht angehoben worden. Der Mindestlohn beträgt rund 100 Euro. Um das Überleben zu sichern, üben viele Ukrainer drei oder vier Jobs gleichzeitig aus. Wer keinen Garten hat und den Sommer und Herbst nicht zum Einkochen und Einlegen von Obst und Gemüse nutzen kann, kommt im Winter nur schwer über die Runden. 

Die Hoffnungslosigkeit führt zu Alkoholismus und Drogensucht. Die verzweifelte persönliche Situation zwingt viele Eltern, ihre Kinder in Heimen abzugeben oder sich selbst zu überlassen. Viele landen auf der Straße. Die Gefahr, in die Kriminalität abzurutschen oder sich durch betteln über Wasser halten zu müssen, ist für diese Kinder oft hoch.  

Sozialwaisen

Offiziellen Zahlen zufolge gibt es in der Ukraine mehr als 100.000 Kinder, die ohne Eltern aufwachsen. Die meisten von ihnen sind so genannte Sozialwaisen. Das bedeutet, dass die Eltern zwar leben, sich aber nicht um ihre Kinder kümmern können. Etwa ein Viertel der Sozialwaisen lebt in staatlichen Heimen. Eine klassische Heimkarriere beginnt im Heim für Kleinkinder. Ab drei Jahren werden die Kinder dann dem Kinderheim übergeben und mit sieben wechseln sie in die dritte Einrichtung, die Internatsschule. Mit 16 Jahren werden die Kinder häufig sozusagen "auf die Straße" entlassen. Prinzipiell ist der Staat verpflichtet, jedem Waisenkind eine Wohnung zur Verfügung zu stellen. Die Wartelisten sind jedoch sehr lang.

In den vergangenen Jahren gab es ein Umdenken in der Familienpolitik in der Ukraine. Das Problem der elternlosen Kinder wird verstärkt wahrgenommen. Kinder sollen nicht mehr in Großinternaten untergebracht werden, es wird ein Pflegefamilienmodell forciert. Die riesigen staatlichen Internate werden zu kleinen Einrichtungen mit nicht mehr als 50 Plätzen umstrukturiert. Mit ihren Kinderprojekten in der Ukraine versucht die Caritas einen Beitrag zu dieser Umorientierung zu leisten, vor allem durch die Entwicklung von Modellprojekten wie betreuten Wohngemeinschaften und Kinderheimen mit familienähnlicher Betreuung.

Alte Menschen

Neben den Kindern gehören die alten Menschen zu jener Bevölkerungsgruppe, welche die größte Not leidet und vom Staat nur minimale Unterstützung erhält. Die Pensionen (durchschnittlich nicht mehr als 75 Euro) reichen nicht für das Überleben. Notwendige Medikamente und Hygieneprodukte sind oft unerschwinglich. Wenn jemand ernsthaft erkrankt oder zu gebrechlich wird, kann er meist nicht mehr für sich selbst sorgen. Da Sozialprogramme vom Staat nicht ausreichend finanziert werden, sind immer mehr alte Menschen von der Hilfe privater Hilfsorganisationen abhängig. Die Caritas versucht mit mobilen Diensten und Hauskrankenpflege nach österreichischem Vorbild zu helfen.

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