Hintergrundinformationen

Das Horn von Afrika - einer der großen Krisenherde der Welt

 

 

 

 

Die Zahlen

925 Millionen Menschen leiden laut FAO Schätzungen derzeit weltweit an Hunger. 13,4% der 6,9 Milliarden Menschen sind unterernährt. Davon sind 195 Millionen chronisch unterernährte Kinder. Über 90% davon leben in Asien oder Afrika.
Unterernährung ist die Ursache von über einem Drittel aller Todesfälle von Kindern unter 5 Jahren. Chronisch unterernährte Kinder erkranken viel häufiger, haben Wachstumsstörungen und verminderte kognitive Fähigkeiten. Diese Entwicklungsverzögerungen können oft bis zum Erwachsenenalter nicht nachgeholt werden. Schon bei vorübergehenden Phasen von Untergewicht können die Folgen langfristig und irreversibel sein. Abgesehen vom Wirtschaftskrisenjahr 2009 hungerten noch nie so viele Menschen.

zum Seitenanfang

Die Fakten

Das so genannte Horn von Afrika ist das Armenhaus Afrikas -  44% der Menschen in Äthiopien sind unterernährt, 3 Millionen der insgesamt 4,6 Millionen Menschen in Eritrea haben nicht genug zu essen, jedes 3. Kind in Somalia ist untergewichtig.

Die von der Hungerkrise betroffene Fläche in Somalia, Äthiopien und Kenia beläuft sich auf etwa 1,2 Millionen km2. Das ist ungefähr ein Viertel der Fläche der gesamten Europäischen Union. Schätzungsweise benötigen 12,4 Millionen Menschen in diesem Gebiet Hilfe.

zum Seitenanfang

Wie es zur Hungerkatstrophe kam

Die akute Hungersituation in der Region lässt sich teilweise durch die klimatischen Ausnahmezustände erklären, die sich durch den fortschreitenden Klimawandel weiter zuspitzt. Für einen Großteil der Bevölkerung in der Region ist nomadische Viehzucht die wesentliche Lebensgrundlage. Landwirtschaft ist nur in einigen Regionen möglich. Würde man in den akut von Dürre betroffenen Regionen den Boden pflügen und Getreide anbauen, würde die Bodenfruchtbarkeit schnell zurückgehen.

In der Region gibt es normalerweise zwei  Regenzeiten. Wenn diese immer häufiger ausbleiben und die Dürre eher zur Regel als zur Ausnahme wird, ist das Überleben der Menschen nachhaltig gefährdet. Das Land wird überweidet und die Nomaden müssen immer weiter laufen, um ihre Tiere zu füttern.

Klimawandel und Wetterkapriolen ist nur ein Teil der Ursache. Der Hunger am Horn von Afrika ist vor allem die Folge von jahrzehntelangen Konflikten und politischem Fehlverhalten. Die Region ist einer der großen Konfliktherde unserer Welt.

zum Seitenanfang

Hohe Getreidepreise

Mitte 2008 führten enorme Preissteigerungen von Grundnahrungsmitteln wie Mais, Weizen und Reis in vielen Regionen der Welt zu einer besorgniserregenden Nahrungsmittelunsicherheit. Seit Ende 2010 erreichen die Getreidepreise immer wieder Höchstwerte. Ausschlaggebend dafür sind Ernteausfälle in wichtigen Getreideländern wie Russland, der hohe Ölpreis, aber auch die verstärkte Produktion von Agrotreibstoffen. Die ländliche Bevölkerung in den ärmsten Ländern der Welt gibt durchschnittlich bis zu 70% ihres Einkommens für Lebensmittel aus. Daher können schon kleinste Änderungen im Getreidepreis zu einer Überlebensfrage werden.

zum Seitenanfang

Gescheiterte Staaten - failed states

Somalia, in dem die UNO vor kurzem die Hungersnot ausgerufen hat, ist ein Musterbeispiel für einen zerfallenen oder gescheiterten Staat. Der Norden Somalias war früher britische Kolonie, der Süden italienisches Gebiet. 1960 wurde der unabhängige Staat Somalia gegründet. Nach dem Sturz des Diktators Siad Barre, der seit 1969 mit Unterstützung zuerst der Sowjetunion und danach der USA diktatorisch regiert hatte, zerfiel Somalia 1991 in Anarchie und versank in blutigen Stammeskämpfen zwischen den 6 größten Clans Somalias. Internationale Versuche, in Somalia Frieden zu stiften, scheiterten und das Land blieb sich selbst überlassen.

Durch die Konflikte in Somalia gab es laut UNHCR 2010 1,4 Millionen intern Vertriebene in Somalia, über 700.000 Menschen sind in benachbarte Länder geflüchtet.

zum Seitenanfang

  • Seite drucken
  • Link versenden
  •                                                                         
  • Twitter
  • Facebook
  • MySpace
  • Delicious
  • Digg!

Hintergrundinfo Dürrekatastrophe am Horn von Afrika:

  1. Betroffene Länder: Kenia, Äthiopien, Somalia, Djibouti, Tansania und Süd-Sudan
  2. teilweise hat es in den Regionen seit 2 Jahren nicht mehr geregnet
  3. Nomaden und Halbnomaden am meisten betroffen - Tierherden finden keine Weiden, Brunnen trocknen aus
  4. Im Norden Kenias sind 60 Prozent des Viehbestandes gestorben
  5. rund 2 Millionen Kindern unter fünf Jahren leiden an Unterernährung
  6. 500.000 Kinder sind akut vom Hungertod bedroht

Zahlen Daten Fakten Äthiopien:

Fläche 1.104.300 km2
Bevölkerung 80,713 Millionen
Lebenserwartung Frauen: 56,2 Jahre; Männer 53,3 Jahre
Alphabetisierung Frauen: 22,8 %; Männer: 50 %
Armut 45 %
Bevölkerungsanteil mit Zugang zu sauberem Wasser 42%