Gemeinsam Wunder wirken

Caritas: „Wien ist ab sofort um ein Hotel weltoffener“

11.02.15

Mitarbeiterin in der Küche

Nach einer neunmonatigen Umbauzeit ist es nun soweit: magdas Hotel steht kurz vor der Eröffnung. Das erste Hotel Österreichs, das von und mit Flüchtlingen betrieben wird, empfängt in diesen Tagen seine ersten Gäste. Den Auftakt machten am Mittwoch Caritas Präsident Michael Landau, Wiens Bürgermeister Michael Häupl und Bezirksvorsteher Karlheinz Hora. „Der Zeitpunkt für die Eröffnung dieses Hauses hätte besser nicht sein können: Wien ist ab sofort um ein Hotel weltoffener. In der Laufbergergasse werden TouristInnen aus aller Welt von Menschen willkommen geheißen, die ihre Heimat nicht freiwillig verlassen haben“, betonte Caritas Präsident Michael Landau beim Pre-Opening. „Dieses Hotel verbindet Kulturen und wird ein Ort der Begegnung sein, der das Gemeinsame vor das Trennende stellt. Wir freuen uns sehr, dass ein lang gehegter Plan endlich Wirklichkeit wird.“

20 anerkannte Flüchtlinge, fünf Profis aus der Hotellerie und ein Job-Coach aus insgesamt 16 Ländern empfangen in dem ehemaligen Caritas Senioren- und Pflegewohnhaus Gäste aus der ganzen Welt. Dazu kommen vier bis sechs unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die hier im kommenden Jahr eine Lehre beginnen werden. Es sind Menschen wie die 24-jährige Sarah C. aus Guinea, die im Hotel als Rezeptionistin im Einsatz sein wird. Sarah C. floh vor drei Jahren aus ihrer alten Heimat. In ihrer neuen Heimat Österreich fand sie zuletzt keinen fixen Job. „Endlich darf ich in Österreich arbeiten“, sagt sie erleichtert. Wie alle anderen MitarbeiterInnen auch ist Sarah C. noch mit den letzten Vorbereitungen in den insgesamt 78 Zimmern beschäftigt. Die letzten Lampen werden montiert, die Betten bezogen und die Arbeitsabläufe einstudiert ehe am Valentinstag in der Nacht von Samstag auf Sonntag die ersten Gäste in dem Haus in der Laufbergergasse nächtigen werden.

„Dieses Hotel mit dem sozialen Mehrwert zeigt: Es geht auch anders“
Landau verwies bei dem Termin auch auf die politische Dimension des Hotels: „Es gibt einen ganz bestimmten Grund, warum sich die Caritas dazu entschlossen hat, ein Hotel mit sozialem Mehrwert zu eröffnen. Denn dort, wo viele stets nur Probleme orten – im Asyl- und Integrationsbereich – ist dieses Hotel vor allem auch eines: Eine Haus gewordene Lösung. Hier beweisen Flüchtlinge und jugendliche AsylwerberInnen nicht nur, dass sie ein selbst bestimmtes Leben führen wollen, sondern, dass sie dieses selbstbestimmte Leben auch leben können. Mit diesem Social-Business-Projekt der Caritas soll Menschen, deren Zugang zum Arbeitsmarkt noch immer beschränkt ist, eine reale Chance und Perspektive geboten werden. Nicht nur die TouristInnen auch Menschen mit Fluchthintergrund sollen in diesem Hotel und in diesem Land ankommen können“, so Landau und ergänzend dazu: „magdas soll beweisen, dass wirtschaftlicher Erfolg und soziales Handeln kein Widerspruch sind. Sie sind zwei Seiten ein- und derselben Medaille. Wir wollen mit diesem Hotel einmal mehr unserer Forderung Nachdruck verleihen: Wer legal hier lebt, soll auch legal hier arbeiten dürfen! Es ist nicht nur unter sozialer, sondern auch unter ökonomischer Hinsicht widersinnig, junge, motivierte Menschen mit Stärken und Talenten zum Nichtstun zu verdammen. Dieses Haus soll zeigen: Es geht auch anders.“

Bürgermeister Michael Häupl, der für das Pre-Opening ebenfalls im Hotel eingecheckt hat, betonte: „Menschen, die aus Not flüchten müssen, haben sich eine zweite Chance verdient. Dieses Projekt gibt Flüchtlingen die Möglichkeit, sich – durch Arbeit – eine Existenz aufzubauen und  damit auch ihren Beitrag zum Gemeinwesen beizutragen.“ Bezirksvorsteher Karlheinz Hora, der das Projekt von Beginn an begleitet hat, nahm Bezug auf den Social-Business-Gedanken des Projekts: „Social Business – soziale Geschäftswelt – ist in Österreich noch sehr wenig vertreten bzw. präsent. Die Symbiose Sozialprojekt und Tourismuswirtschaft kann als Vorreiter für derartige Projekte genommen werden. Es würde mich sehr freuen, wenn nach diesem Projekt auch noch andere in einer sozialen Geschäftswelt umgesetzt werden.“

magdas – die Social Business Tochter der Caritas
magdas wurde als Tochter von der Caritas der Erzdiözese Wien im April 2012 mit dem Ziel gegründet, soziale Fragen dort, wo es sinnvoll und möglich erscheint, unternehmerisch zu lösen. Der Social-Business-Gedanke geht auf Nobelpreisträger Muhammad Yunus zurück: magdas Projekte tragen sich wirtschaftlich selbst. Und ihr oberstes Unternehmensziel bleibt aber die Lösung eines sozialen Problems. „Die Stärken und Talente unserer MitarbeiterInnen sind dabei das Kapital, ihre gesellschaftliche Teilhabe der Gewinn“, so Landau abschließend. „Es geht um Selbstbestimmung und darum, langzeitarbeitslosen Personen, Menschen mit Behinderung oder mit Fluchthintergrund den Zugang zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen.“ Das Hotel-Projekt wurde auch mittels Crowdfunding-Aktion realisiert. Insgesamt konnten so 57.306 Euro für das Projekt gesammelt werden.


Nähere Informationen unter:
www.caritas-wien.at 
www.magdas-hotel.at 
https://www.crowdfunding.at/project/magdas-hotel
www.startnext.com/magdashotel