Gemeinsam Wunder wirken

Entkrampft Richtung mehrsprachig

16.04.15

Korneuburger Integrationsgespräche

Caritas und Stadt Korneuburg starteten dritte Runde der „Korneuburger Integrationsgespräche“ am 15. April 2015

Seit 2011 ist die Stadtgemeinde Korneuburg aktive Partnerin im Caritas-Projekt „ZusammenReden“. Seither wurden zehn Workshops für SchülerInnen, zwei LehrerInnenfortbildungen und sechs Integrationsgespräche durchgeführt. Die siebten Integrationsgespräche zum Thema Bildung und Elternarbeit fanden am 15. April im Korneuburger Rathaus unter Beteiligung von rund 40 interessierten BürgerInnen, GemeinderätInnen, Bürgermeister und Vizebürgermeisterin, LehrerInnen und SchülerInnen statt. „Wir sind sehr stolz auf die vielen guten Projekte im Integrationsbereich und haben beschlossen, diese auch weiterhin fördern zu wollen“, so Vizebürgermeisterin Helene Fuchs-Moser bei der Eröffnung.

 

Der Faktor "Elternhaus" im Bildungssystem

In Österreich lastet auf den Eltern eine große Verantwortung für den Schulerfolg der eigenen Kinder. Daher wurde an diesem Abend diskutiert, wie Eltern bestmöglich bei der Unterstützung ihrer Schulkinder begleitet werden können, aber auch, welche Rolle das Bildungssystem und soziale Ungleichheit in diesem Zusammenhang spielen. Während der Bildungssoziologe Stefan Vater sowie Sabine Buchebner-Ferstl vom Österreichischen Institut für Familienforschung einen Einblick in sozialwissenschaftliche Erkenntnisse gaben, berichteten Fatma Gümüs und Sibel Cetinkaya (Projekt HIPPY, Verein menschen.leben) bzw. Elisabeth Allgäuer-Hackl (Projektstelle okay.zusammenleben) von ihren Erfahrungen aus der praktischen Elternbildungsarbeit.

 

Mehrsprachigkeit ist okay!

Nach Impulsstatements auf dem Podium verteilten sich ReferentInnen und BesucherInnen auf vier verschiedene Tische, um sich im kleineren Format intensiv austauschen zu können. Am Tisch von Allgäuer-Hackl wurden insbesondere Fragen der mehrsprachigen Erziehung diskutiert. „Eltern müssen dabei gestärkt werden, ihren Kindern eine gute Basis für den Erwerb von Sprachen – sei es Deutsch, Türkisch, Farsi oder Albanisch – mitgeben zu können. Dabei geht es um Lebenserfahrung und darum, die Umgebung mit allen Sinnen wahrnehmen zu lernen. Ohne diese Grundlage bringt jede Deutschförderung nichts.“ Insbesondere Verbote, wie das Sprechen der Muttersprache, seien kontraproduktiv. Jedes Kind könne mühelos mehrere Sprachen gleichzeitig lernen, wenn es die richtige Förderung bekomme. Deshalb bietet das Projekt HIPPY wöchentliche Hausbesuche bei Eltern an. „Am Anfang sprechen wir manchmal in ihrer Erstsprache, aber Ziel ist,  die Deutschkompetenz der Eltern zu stärken“, so Gümüş.

 

Soziale Selektion versus Begabung

Unser Bildungssystem birgt allerdings viele Hürden v.a. für sozial benachteiligte Familien. „Der ganze Leistungsdiskurs ist eigentlich hinfällig“, ist Stefan Vater überzeugt. „Bildungserfolge und –misserfolge sind auf die bestehende soziale Selektion im Schulsystem zurückzuführen.“ Viele Eltern sind mit den Anforderungen des Schulsystems überlastet. Aber auch die Fülle an Elternratgebern und deren widersprüchliche Aussagen überfordern viele Eltern, so eine Studie des Instituts für Familienforschung. Demnach gibt es viele Faktoren, warum manche Eltern einschlägige Elternbildungsangebote nicht in Anspruch nehmen: U.a. sollten derartige Angebote die Eltern stärken und nicht in Schulmanier aufzeigen, „was diese alles falsch machen, sondern auch, was sie richtig machen“, empfiehlt Buchebner-Ferstl. Zudem fehlten spezifische Angebote für Väter bzw. männliche Vortragende, um mehr Väter für solche Maßnahmen zu begeistern. 

 

Alles in allem war es ein sehr dichter und spannender Abend, von dem sich alle Beteiligten viel mitnehmen konnten. „Ich nehme die Erkenntnis mit, dass wir nicht so verkrampft mit dem Sprachenlernen umgehen sollten, die Leichtigkeit sollte wieder von uns Besitz ergreifen“, so die Abschlussworte von Fuchs-Moser. 

 

Die nächste Veranstaltung zum Thema „Bildung – Schwerpunkt Schule“ findet am 29. April um 19.00 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses, Hauptplatz 39 statt. 

 

Alle Termine zu den Veranstaltungen und nähere Informationen zum Projekt finden Sie unter www.zusammenreden.net

 

 

„ZusammenReden“ ist ein Projekt der Caritas Wien (Missing Link); es wird gefördert vom Land Niederösterreich, dem Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres, dem Bundesministerium für Bildung und Frauen sowie den Gemeinden Korneuburg, St. Andrä-Wördern, Neunkirchen und Wiener Neustadt.