Gemeinsam Wunder wirken

1 Jahr Hochwasser in Südosteuropa – Bilanz der Caritas-Hilfe

15.05.15

Frau rechts im Bild gibt Bub links im Bild ein Lebensmittel im Glas. Die Mutter des Jungen steht hinter ihm links im Bild. Im Hintergrund sind lose Ziegelsteine zu sehen.

Landau: „Mit Ihrer Spende konnten wir vor allem alten, kranken Menschen und alleinerziehenden Frauen mit Kindern helfen! Die Hilfe kommt an und gibt den Menschen Mut und Hoffnung!“

Schwere Regenfälle, beginnend mit dem 13. Mai 2014, verursachten die größten Überschwemmungen in den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens seit 120 Jahren. In manchen Gegenden Bosniens und Serbiens stand das Wasser bis zu drei Wochen lang - Häuser waren teilweise bis über die Fenster überschwemmt, in gebirgigen Gegenden wurden durch Muren Häuser aus ihren Fundamenten gerissen und oft meterweise abgetragen.

Schnelle Reaktion nach Zyklon Tamara

Caritas Auslandshilfegeneralsekretär Christoph Schweifer: „In Bosnien und Herzegovina sowie Serbien und Kroatien waren insgesamt an die 110.000 Wohnhäuser von den Auswirkungen des Zyklons Tamara, der die starken Regenfälle verursacht hatte, betroffen. Schulen, Kindergärten, Brücken und Straßen waren lange Zeit nicht benutzbar und konnten erst langsam wieder hergestellt werden.“

Die lokalen Caritasorganisationen haben in den betroffenen Gebieten schnell reagiert: Gemeinsam mit unzähligen Freiwilligen wurden Dämme befestigt und hilflose Menschen aus entlegenen Häusern evakuiert. Während die Menschen, die oft nur mit dem, was sie am Leibe trugen, aus ihren Häusern flohen, in Übergangsunterkünften wie Sporthallen oder sicheren Schulen untergebracht waren, wurden sie von der Caritas und ihren Helfern mit Lebensmitteln, Kleidung und Hygienematerial versorgt.

Caritas Präsident Michael Landau stellte bei seinem Besuch vor einem Jahr beim Lokalaugenschein fest: „Die Menschen haben alles verloren, aber die Solidarität ist beeindruckend! Nicht nur zwischen den Menschen im Land, sondern auch aus Österreich war und ist eine unglaubliche Welle der Hilfsbereitschaft zu spüren. Heute, ein Jahr nach der Katastrophe verstärkt sich der Eindruck von damals: „Die Hilfe ist angekommen und hat Hoffnung gegeben und Leben verändert. Gleichzeitig ist eine große Dankbarkeit bei der Bevölkerung im Land spürbar - die Menschen sind zusammengerückt sind und konnten wieder einmal feststellen, dass Österreich sie in guter nachbarschaftlichen Tradition nicht alleine lässt“, so der Caritas Präsident.

Hilfe mit Spenden aus Österreich

Über 5000 Familien, die von den Überschwemmungen betroffen waren, wurden in den vergangenen 12 Monaten unterstützt.

Caritas Auslandshilfegeneralsekretär Christoph Schweifer: „Die Stärke der Zusammenarbeit mit den lokalen Partnerorganisationen liegt darin, dass wir den Opfern nicht nur während und unmittelbar nach der Katastrophe beistehen. Die Kolleginnen und Kollegen sind vor Ort und kennen die Anliegen der Menschen, sie haben Kontakte zu den Behörden und den anderen Organisationen und können so innerhalb kürzester Zeit maßgeschneidert auf die Bedürfnisse der Menschen eingehen.“

So wurden Häuser mit Freiwilligentrupps gereinigt, Baumaterial zur Verfügung gestellt; für Menschen, die nicht selber ihre Häuser renovieren konnten, wurden Bautrupps organisiert. Damit wurden auch Arbeitsplätze in der von Arbeitslosigkeit geprägten Region geschaffen werden. Elektrogeräte und Möbel, die durch das Wasser zerstört wurden, wurden ersetzt. Zu Schulbeginn wurden 3000 Schulkinder mit einem Schulpaket ausgestattet, das vor allem Familien mit mehreren Kindern Kosten im Herbst ersparte.

Hilfe durch den Winter

Der erste Winter nach der Katastrophe war für die Menschen in Not besonders schwierig. Schweifer: „Es war nötig, die bedürftigsten Familien – meistens Pensionisten mit einer Pension von nur rund 100 Euro oder Familien mit niedrigen Einkommen – mit Lebensmittelgutscheine zu versorgen. 2500 Familien erhielten Öfen und Holz zum Heizen. Damit konnten die Menschen den Winter –zumindest in einem warmen und trockenen Raum pro Haus – überstehen.“

Wiederaufbau im Frühling

Im Frühjahr wurden die Renovierungsarbeiten fortgesetzt.
Christoph Schweifer: „Unmittelbar nach dem Hochwasser war es wichtig, die wichtigste Einkommensmöglichkeit der Menschen – die kleinbäuerliche Wirtschaft – wiederherzustellen. Für Schweine, Hühner und Kühe wurden Futtermittel verteilt, damit diese am Leben bleiben. In Banja Luka in Bosnien wurden über den Winter 120 Kühe den auf dem Caritas Bauernhof eingestellt, wo sie auch gefüttert wurden, was arme Familien enorm entlastet hat.“

Ab März wurden dann Plastikgewächshäuser und Saatgut an die Familien verteilt. Viele Menschen versorgen sich mittlerweile entweder selbst mit dem Gemüse aus ihrem Garten, oder leben von den kleinen Einkünften, die sie durch den Verkauf am Markt erwirtschaften können.

Landau abschließend: „Uns ist es wichtig, dass die Menschen nicht auf Dauer von Hilfe abhängig sind, sondern dass sie wieder auf eigenen Beinen stehen können. Durch die große Solidarität der Österreicherinnen und Österreicher ist es gelungen, beim Neustart vieler Menschen mitzuhelfen. Danke an alle Spenderinnen und Spender, die Medien, aber auch die Wirtschaft, die uns hier großzügig unterstützt haben.“