Gemeinsam Wunder wirken

Bodmann ist neuer Schatzmeister der Caritas Internationalis

15.05.15

Generalsekretär der Caritas Wien, Alexander Bodmann im Porträt

Kardinal Luis Antonio Tagle (57), Erzbischof von Manila, ist neuer Präsident von Caritas Internationalis. Die 20. Generalversammlung des Dachverbandes von 165 nationalen Caritasverbänden und anderen katholischen Wohlfahrtsorganisationen wählte Tagle am Donnerstag in Rom zum Nachfolger von Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga (72). Der Generalsekretär der Caritas Wien, Alexander Bodmann, wurde zum Schatzmeister gewählt. Er folgt in dieser Funktion auf den Schweizer Jürg Krummenacher.

Kampf gegen Armut und Hunger

Alexander Bodmann, will in der neuen Funktion "den Kampf gegen Armut und Hunger mit Leidenschaft angehen". Dies sehe er auch als Hauptaufgabe der Caritas Internationalis und als Grundanliegen von dessen neuen Präsidenten, Kardinal Luis Antonio Tagle, erklärte Bodmann am Freitag in einem ersten Statement nach der Wahl gegenüber "Kathpress".

Caritas-Präsident Michael Landau würdigte Bodmann in einer ersten Stellungnahme gegenüber "Kathpress" als "ausgewiesenen Fachmann in wirtschaftlichen Fragen, der sich zugleich entschieden für soziale Gerechtigkeit einsetzt". Bodmann bringe reichlich Erfahrung aus der täglichen Caritas-Arbeit für sein neues Amt mit, so Landau.

Eine starke Stimme für die Armen

Wie Bodmann weiter sagte, lege er in den neuen Caritas Internationalis-Präsidenten Kardinal Tagle lege er große Hoffnung. Der Erzbischof aus Manila werde wie dessen Vorgänger, der honduranische Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga, eine "starke Stimme für die Armen" sein können. Ein Richtungswechsel stehe beim Dachverband nicht bevor, vielmehr ein "intensives Weiterarbeiten an der Auslöschung von Armut und Hunger". Dies habe Tagle auch in bildlich dargestellten Botschaften - er war bei der Generalversammlung nur über Video zugeschaltet - eindeutig gezeigt.

Die Caritas Internationalis mit ihren Schwerpunkten der humanitären Hilfe und anwaltschaftlichen Arbeit beschrieb Bodmann als "Brückenbauerin der 165 nationalen Mitgliedsorganisationen". Besonders deutlich werde die Mittlerfunktion momentan bei der Flüchtlingstragödie am Mittelmeer. "Die Caritas ist an allen Orten präsent - in den Herkunftsregionen, aber auch in den aufnehmenden Ländern." Problematisch sei, dass die Politik gleichzeitig Mauern statt Brücken errichte, so der Caritas-Experte. Anzunehmen sei, dass sich die Generalversammlung zum Flüchtlingsthema in ihrer Schlussbotschaft äußern wird, die am Sonntag verabschiedet wird.

Bodmann äußerte sich erfreut über das von der Generalversammlung ausgesprochene Vertrauen. Als zusätzliche Aufgabe zu jener in Wien kommt nun die Verwaltung des Budgets der Caritas Internationalis mit ihren 35 Mitarbeitern in Rom, die vor allem Nothilfe-Anträge - in der vergangenen vier Jahren gab es 134 davon - abwickelt. Teil der Arbeit ist auch die Beratung nationaler Caritasverbände, u.a. bei der weltweiten Einhaltung der Finanz- und Managementstandards, die bei der Generalversammlung 2011 beschlossen wurden. "Die eine oder andere Reise in die eine oder andere Region wird notwendig sein", so Bodmann.

Vom Zivildiener zum Generalsekretär 

Alexander Bodmann wurde 1972 in Wien geboren und studierte in Wien Betriebswirtschaft an der WU Wien mit Schwerpunkt Controlling. Ab 1995 war er zunächst Controller bei der Schöllerbank. "Dann kam der Entschluss, nicht für die Reichen, sondern für die Armen zu arbeiten", so Bodmann. 1997 startete er seine Tätigkeit für die Caritas als Zivildiener im Haus Miriam - einer Obdachloseneinrichtung für Frauen in psychischen und sozialen Notsituationen. Danach war er in mehreren verschiedenen Aufgabenbereichen innerhalb der Caritas tätig. 2004 übernahm er die Leitung des Bereichs "Betreuen und Pflegen Zuhause". Seit Mai 2007 ist Bodmann Geschäftsführer der Caritas der Erzdiözese Wien.

Kardinal Luis Antonio Tagle

Der neue Caritas Internationalis-Präsident Tagle setzte sich unter den mehr als 300 Delegierten - darunter aus Österreich Präsident Michael Landau und die Generalsekretäre Bernd Wachter und Christoph Schweifer - gegen den maronitischen Erzbischof von Zypern, Youssef Soueif (52), durch. Die erforderliche Bestätigung Tagles durch den Vatikan gilt als Formsache. Nach zwei Amtsperioden von je vier Jahren stand Maradiaga nach den Statuten nicht mehr für eine Wiederwahl zur Verfügung. Als Generalsekretär von Caritas Internationalis wurde Michael Roy wiedergewählt.

Tagle ist seit 2011 Erzbischof der philippinischen Hauptstadt und einer der international bekanntesten Kardinäle Asiens. Im Januar war er während der Philippinen-Reise von Franziskus Gastgeber des Papstes. Der Präsident von Caritas Internationalis hat vor allem repräsentative Aufgaben. Er ist internationales Sprachrohr der Caritasverbände.

Landau: Armutsbekämpfung und Umweltschutz gehören zusammen

Die Wahl des philippinischen Kardinals Luis Antonio Tagle zum neuen Präsidenten der Caritas Internationalis ist ein starkes Zeichen dafür, dass die Caritas ihren Kampf gegen extreme Armut und Hunger weiter verstärken wird. Das hat der österreichische Caritas-Präsident Michael Landau am Freitag im "Kathpress"-Gespräch betont. Gerade das Beispiel der Philippinen - die in jüngsten Jahren wie nie zuvor unter Wetterkatastrophen gelitten hätten - veranschauliche, dass für die Caritas künftig auch der dramatische Klimawandel ein stärkeres Thema sein müsse.

Gerade die ärmsten Länder der Welt seien am stärksten vom Klimawandel betroffen. Landau: "Neben direkter humanitärer Hilfe werden wir künftig unsere Bemühungen verstärken müssen, den Klimawandel aufzuhalten", so der Caritas-Präsident, und weiter: "Wir sind die erste Generation, der es möglich ist, Armut und Hunger zu beseitigen und wir sind wohl die letzte Generation, der es möglich ist, den Klimawandel aufzuhalten." Die Zahl der weltweiten humanitären Krisen und Katastrophen sei in den vergangenen Jahren gestiegen und bereits rund 80 Millionen Menschen seien derzeit betroffen, so Landau, "mehr als je zuvor". Deshalb sei das weltweite Caritas-Netzwerk auch gefordert "wie noch nie zuvor."

"Neue Aufbruchsstimmung"

Bei der internationalen Caritas-Gemeinschaft ortete Landau eine "neue Aufbruchsstimmung", die schon beim Eröffnungsgottesdienst mit Papst Franziskus deutlich geworden sei. Der Pontifex habe den Caritas-Verantwortlichen Mut gemacht in ihrem Einsatz gegen Armut und Hunger und zugleich auch mehr internationale Solidarität und Verantwortung eingemahnt. "Er hat vor allem die reichen Nationen in die Pflicht genommen", berichtete der Caritas-Präsident.

Das in Rom bei der Generalversammlung gemeinsam formulierte Ziel sieht vor, Hunger und extreme Armut weltweit bis 2025 zu besiegen. Durchaus sei dieses Ziel "machbar" und "eine Frage des Wollens, nicht des Könnens", betonte Landau. Nötig seien weit mehr finanzielle Mittel für Entwicklungszusammenarbeit (EZA), wobei kleine aber reiche Länder wie Österreich wichtige internationale Signale setzen könnten, forderte der Caritas-Präsident Österreichs politisch Verantwortliche zu einer Erhöhung der EZA-Mittel auf. Das sei zudem auch im eigenen Interesse des Landes: "Wohlstandsinseln in einem Meer von Armut sind auf Dauer sowieso nicht stabil."

Wie sehr das internationale Caritas-Netzwerk effektiv hilft und Solidarität zeigt, werde derzeit etwa am Beispiel des Erdbeben-geplagten Nepals deutlich, so Landau weiter. "Es war in Rom eine ganz starke Solidarität mit Nepal spürbar." Bis die schlimmsten Folgen der verheerenden Katastrophe beseitigt sind, würden aber mindestens drei bis fünf Jahre intensiver gemeinsamer Hilfe für das Land und seine Bewohner nötig sind, so Landau.