Gemeinsam Wunder wirken

Mit Humor zur Herzensbildung: Was tun, wenn Sie mit dem Islam im Aufzug stecken bleiben?

12.05.16

TeilnehmerInnen ZusammenReden

Foto vlnr: Menerva Hammad, Vizebürgermeister Martin Fasan, Nadja Lehner (Caritas), Ramazan Demir, Soma Ahmad, Ersan Palaz, Hristina Dakic (Caritas) 

Humorvoll über Themen zu diskutieren, die medial oft uninformiert und vorurteilsbehaftet debattiert werden, ist gar nicht so schwer. Das bewiesen die Neunkirchner Integrationsgespräche zum Thema Islam, die von der Stadtgemeinde und der Caritas am 11. Mai 2016 veranstaltet wurden. Über zum Teil absurde Fragen wie: Was tun Sie, wenn Sie mit „dem Islam“ im Aufzug stecken bleiben? diskutierten Soma Ahmad, Ramazan Demir und Ersan Palaz unter der Moderation von Journalistin und Autorin Menerva Hammad mit über 50 Publikumsgästen in der Neunkirchner Musikschule. 

Nachdem das Podium über verschiedensten Aufzug-Anekdoten berichtet hatte und das Publikum mehrfach herzlich lachen musste, wurden aktuelle Fragestellungen auch sachlich und fundiert beantwortet. Angst überwinden, ins Gespräch kommen und zusammenarbeiten waren die wichtigsten Botschaften aller Podiumsgäste an Politik und Zivilgesellschaft. „Wir müssen die Mehrheit der Muslime davor schützen radikalisiert zu werden. Ich erwarte mir hier die Unterstützung von unseren Österreichischen und Deutschen Freunden. Radikalisierung ist unsere gemeinsame Sorge“, appellierte Ramazan Demir, islamischer Religionspädagoge, Imam und Gefängnisseelsorger. Etwa dreißig inhaftierten Menschen in Österreich seien radikalisiert, so Demir. Seine Aufgabe im Gefängnis sei es, diese Menschen im Prozess der Deradikalisierung zu begleiten. Dabei sei ein proaktiver Zugang wesentlich: „Gewalttheologie hat keinen Platz im Islam. Das müssen wir immer wieder betonen und in unseren Moscheegemeinden mehr tun.“

Wenn es um das Thema Islam geht, kommen Vorurteile regelmäßig ins Spiel. So glaubten manche Publikumsgäste zuerst ernsthaft der Referentin Soma Ahmad als sie scherzhaft anmerkte, unterdrückt und zwangsverheiratet worden zu sein. „Ich bin immer gespannt, welche Bilder die Menschen im Kopf haben“, so Ahmad, Mitbegründerin des Forums Emanzipatorischer Islam. „Wir müssen anfangen zu sensibilisieren und Bildungsarbeit zu leisten“, betonte sie. Im Kontext von Bildung wurde die Notwendigkeit des Religionsunterrichts in der Schule am Podium kontrovers diskutiert. Religionsunterricht sollte Aufklärung leisten und den Islam als Friedensreligion vermitteln: „Jede Religion hat eine rießige Mission und das ist Herzensbildung.“, hielt Ersan Palaz, Mitglied der Türkisch Islamischen Union ATIB, in seinem Abschlussstatement fest.

Alle Termine zu den Veranstaltungen und nähere Informationen zum Projekt finden Sie unter www.zusammenreden.net

„ZusammenReden“ ist ein Projekt der Caritas Wien (Missing Link); es wird gefördert vom Land Niederösterreich sowie den teilnehmenden Gemeinden Korneuburg, St. Andrä-Wördern, Neunkirchen und Perchtoldsdorf.