Gemeinsam Wunder wirken

Das perfekte Freizeitangebot, das alles gratis & in 3D!

25.07.16

Kleiderausgabe

"Dieser bunte Haufen und jeder hat seine eigene Überlebensstrategie – das gefällt mir."

 

Laura L., 22 Jahre, ist erst seit Kurzem in der Gruft - Wiens wohl bekanntester Caritas-Einrichtung für obdachlose Menschen - tätig. Eine sehr quirlige junge Dame, die sehr viel Freude versprüht, wenn sie da ist.

Laura hat Druckvorstufen-Technikerin gelernt, arbeitet derzeit als Grafikerin und macht die Matura nach. Sie kommt 2x pro Woche für fünf Stunden in die Gruft, sortiert die Kleiderspenden, hält die Kleiderkammer in Schuss, und begleitet Klient*innen zu Ämtern und Behörden.

 

Was ist dein Aufgabengebiet, was machst du in der Gruft?

Grundsätzlich verstehe ich meine Tätigkeiten als Hilfestellung für Betreuer*innen und Sozialarbeiter*innen. Ich helfe da aus, wo mein Arbeitseinsatz benötigt wird. Vor allem geht’s um die Sachspendenannahme und Begleitung der Klienten bei Behördengängen.

 

Wie sieht deine Arbeit in der Gruft aus?

Wenn ich in der Früh komme, stürze ich mich meistens erst mal auf die Kleiderkammer. Das ist ein toller Ort, um Klarheit zu bekommen, was noch zu tun ist. Es ist sehr wichtig, hellhörig und mit offenem Blick in der Gruft zu agieren. Nur so kann ich Hilfestellungen anbieten, wenn sie gebraucht werden – egal ob die Hilfe einem Klienten oder einem Mitarbeiter der Caritas gilt.

 

Was schätzt du daran besonders?

Natürlich die Menschen. Dieser bunte Haufen und jeder hat seine eigene Überlebensstrategie – das gefällt mir.

 

Was sind die Schwierigkeiten als Freiwillige?

Für mich liegt die Schwierigkeit darin, meinen Platz zwischen Klient*innen und Betreuer*innen zu finden. Ich bin hier, um die Klamotten zusammenzulegen. Das ist mein Bereich. Die sozialpädagogischen Fähigkeiten bringen die ständigen Mitarbeiter*innen mit.

 

Warum hast du dich für diese Tätigkeit entschieden?

Die Frage ist eher, warum ich geblieben bin. Weil ich hier eine selbstsichere und strukturierte Arbeitsweise erlernen kann. Du siehst: Ich bin nicht barmherzig – ich profitiere absolut von meiner freiwilligen Tätigkeit für die Gruft.

 

Was reizt dich daran, in deiner Freizeit die Gruft zu unterstützen?

Ich könnte mir keinen besseren Ort vorstellen, an dem ich mehr lernen darf, als in der Gruft. Jede Handlung meinerseits zieht eine Resonanz durch andere Mitmenschen mit sich. Ich lerne so viel über mich und über Menschen – für mich, das perfekte Freizeitangebot und das alles gratis und in 3D!

 

Was braucht es, um als Freiwillige tätig sein zu können?

Eine Klarheit darüber, dass man es in erster Linie für sich tut und dabei praktischer Weise anderen behilflich ist. Außerdem den Willen, das zu tun, was man sich vorgenommen hat!

 

Auf welchen besonderen Moment kannst du zurückblicken?

Als mein Bild von Obdachlosen, das getränkt war von Vorurteilen, abgebröckelt ist und ich endlich einfach nur die Menschen sehen konnte - manche sympathischer, manche weniger. Wie es ebenso ist, wenn Menschen aufeinander treffen. Da habe ich gelernt, dass ich mich vom äußeren Erscheinungsbild, ob arm oder reich, nicht mehr beeindrucken lasse!

 

Herzlichen Dank für das Gespräch.

 

Haben Sie Interesse, wohnungslose Menschen bzw. armutsbetroffene Personen zu unterstützen? Wir helfen Ihnen bei der Suche nach einem geeigneten Engagement gerne weiter!