Gemeinsam Wunder wirken

Kunsttherapie im Haus St. Bernadette

02.05.18

Wer im Caritas Haus St. Bernadette wohnt, kann seit kurzem an einer Kunsttherapie teilnehmen und im künstlerischen Schaffen seine Anliegen und Bedürfnisse zum Ausdruck bringen.

Die Sozialbegleiterin Agnieszka Kremel hat das neue Angebot eingeführt: „Mein Anliegen und mein Ziel ist es, dass Menschen durch freie Malerei sich selbst zum Ausdruck bringen und sich mit ihren Werken identifizieren können. Damit bringen sie ihre Geschichte und ihre Bedürfnisse nonverbal zum Ausdruck. Es ist für viele Menschen leichter über ihr Bild zu sprechen, als etwa über ein durchlittenes Trauma. Speziell bei Menschen mit Demenz ist Kunsttherapie ein Hilfsmittel zur Erinnerung.“

Die Kunsttherapie-Gruppe konzentriert sich mittlerweile 40 Minuten intensiv auf die Arbeit, ohne sich ablenken zu lassen. Ein Teilnehmer sagt, er nutze die Zeit um sein Leben aufzuarbeiten. Die Farbe Grün begleitet ihn bereits sein Leben lang. Er bringt mit Farben sein inneres Erleben zum Ausdruck. Eine andere Teilnehmerin erkannte in ihrer Malerei „den Vater, der nie da war“, und „die Hand, die immer so viel gearbeitet hat“. Wieder eine andere, die oft von Unruhe geplagt wird, erklärt: „Hier ist es schön, hier habe ich Ruhe, die Zeit vergeht sehr schnell“.

Agnieszka Kremel hat die Erfahrung gemacht, dass kunsttherapeutische Ansätze den Menschen Freude machen und die Persönlichkeit stärken. Sie erkennt viel kreatives Potential in ihnen und unterstützt die Bewohnerinnen und Bewohner dabei, es sichtbar und greifbar zu machen. Denn das hilft bei der Bewältigung ihres Alltags und führt auch immer wieder zu Staunen und Überraschung. „Das Ergebnis ist immer ungeplant und für mich selbst neu, es gibt mir Aufschluss über mein Leben“, so eine Künstlerin der Therapiegruppe.

Kunst und künstlerische Betätigung ist für Agnieszka Kremel mehr als nur eine Sache der Ästhetik: „Jeder Künstler gibt etwas von seinem Wesen in das Werk und teilt sich so anderen mit. Etwas von Menschen Geschaffenes hat immer auch Wirkung auf andere, bewirkt je nach Lebenssituation und Charakter unterschiedliche Betroffenheit und Interpretationen.“
Der Psychotherapeut Prof. Dr. Karl-Heinz Menzen hat in den 80er Jahren begonnen, mit Bewohnerinnen und Bewohnern in Seniorenhäusern in der Schweiz und in Deutschland  therapeutisch zu arbeiten. Er machte die Beobachtung, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer fitter, der Welt gegenüber offener und gesünder blieben.

Mustafa Salkovic, Leiter des Haues St. Bernadette, begrüßt die Kunsttherapie als zukunftsweisend für die Qualitätsanforderungen eines auf Demenz spezialisierten Pflegewohnhauses.