Gemeinsam Wunder wirken

Caritas: Frauen treffen die Folgen der Corona-Krise härter

05.05.20

„Unter der Corona-Krise leiden sowohl Männer als auch Frauen – keine Frage“, betont Doris Anzengruber, Leiterin der Caritas Sozialberatung in Wien. „Aber die Maßnahmen zur Eindämmung der Krise und ihre Folgen treffen Frauen härter. Das spüren wir ganz deutlich.“ Anzengruber weiß, wovon sie spricht: Gemeinsam mit ihrem Team nimmt die Leiterin der Caritas Sozialberatungsstelle seit Ausbruch der Corona-Krise täglich bis zu 200 Hilfsanfragen von in Not geratenen Menschen entgegen. „Und hier sehen wir ganz klar: Es wenden sich derzeit deutlich mehr Frauen als Männer an uns. Frauen sind es, die den Mehraufwand an unbezahlter Haus- und Kinderbetreuungsarbeit tragen, selbst wenn sie einer Beschäftigung nachgehen. Und es sind mehrheitlich Frauen, die in systemrelevanten Berufen wie im Lebensmittelhandel arbeiten. Sie alle sind in der derzeitigen Situation besonders gefordert.“ Die Anfragen in den Caritas Sozialberatungsstellen haben sich etwa in Wien zuletzt verdoppelt. „In der zweiten Märzhälfte gab es 564 Hilfsanfragen von Männern und 1.222 Hilfsanfragen von Frauen. Viele Mütter melden sich verzweifelt bei uns, weil sie Homeschooling und Arbeit kaum mehr unter einen Hut bringen oder große finanzielle Zukunftsängste haben. Sehr oft rufen Frauen bei uns an und sagen, dass sie es nicht für möglich gehalten hätten, dass sie einmal bei der Caritas um Hilfe bitten würden. Etwa eine junge alleinerziehende Mutter, die selbständig als Masseurin gearbeitet hat und Mitte März plötzlich kein Einkommen mehr hatte. Sie wusste nicht, wie es weitergehen soll.“ 

Doris Schmidauer, die mit der Caritas vor zwei Jahren ein Frauennetzwerk für in Not geratene Frauen in Österreich ins Leben gerufen hat, betont: „Auch in Nicht-Krisenzeiten sehen wir, dass Armut viele Gesichter hat. Doch deutlicher als sonst erleben wir: In vielen Fällen ist es das Gesicht einer Frau, die Hilfe braucht. Mit meiner Unterstützung möchte ich dazu beitragen, dass wir uns als Gesellschaft noch stärker für Frauen in Krisensituationen einsetzen. Mit #UnserEine wollen wir jetzt das Leben von möglichst vielen armutsbetroffenen Frauen verbessern und auf das Thema Frauenarmut aufmerksam machen. Viele Frauen in ganz Österreich leisten in diesen Tagen eine systemrelevante Arbeit – beruflich und privat. Bislang waren solche Zuschreibungen Managern und Berufen des Finanzmarktes vorbehalten. Dieses Bewusstsein sollte sich nun ändern!“

Nicht nur die Caritas, auch andere Stimmen weisen darauf hin, dass Krisen Frauen stets mehrfach belasten. Die Vereinten Nationen erwarten im Zuge der Coronakrise langfristige Einkommensverluste für Frauen und einen Einbruch der Frauenerwerbsquote. Und Wifo-Ökonominnen halten in einer aktuellen Studie fest, dass im Zuge der Pandemie zwar bisher mehr Männer als Frauen den Job verloren hätten, aber der Beschäftigungsrückgang sich auf frauendominierte Branchen konzentriere und dass Frauen zusätzliche Belastung durch Betreuungspflichten tragen. 

 

Medikament gegen soziale Armut dringend gesucht

„Weltweit suchen Forscherinnen und Forscher gerade nach einem Impfstoff gegen COVID-19, aber ein Medikament gegen soziale Armut gibt es nicht“, beschreibt Karin Eichler, eine der beiden Leiterinnen des Mutter-Kind-Haus Frida in Wien Floridsdorf, was sie täglich in ihrer Arbeit erlebt. In den Mutter-Kind-Häusern der Caritas finden wohnungslose Mütter und ihre Kinder ein schützendes Dach über dem Kopf. „Die Corona-Krise hat die Situation verschärft. Unsere Mamas kennen Ausnahmesituationen gut. Armut, Gewalt, Delogierung – all das haben die meisten von ihnen über mehrere Jahre hinweg erfahren. Aber die aktuelle Krise erhöht die bestehende Unsicherheit enorm.“ Viele Frauen haben jetzt ihren Job verloren. „Der Wegfall des – oft sehr kleinen – Einkommens führt dazu, dass die Frauen vor leeren Kühlschränken stehen,“ so Eichler. 

 

Frauen besonders von Armut betroffen 

Frauen haben gegenüber Männern auch im Jahr 2020 immer noch ein erhöhtes Armutsgefährdungsrisiko. 510.000 Frauen im Alter von 20 und mehr Jahren sind armutsgefährdet. Die durchschnittliche Alterspension von Frauen beträgt mit rund 1.028 Euro um 650 Euro weniger als die durchschnittliche Pension von Männern (1.678 Euro). „Frauen übernehmen in vielen Fällen die Betreuung der Kinder oder etwa die Pflege der Eltern – mit allen Folgen und Nachteilen: Sie können nur in Teilzeit arbeiten, verdienen weniger als Männer und sind damit schlechter abgesichert. Geringe Pensionen führen im Alter häufig zu Armut. Und mit Kündigungen verstärkt sich die spezifische Armut von Frauen weiter. Wenn die Ressourcen knapp werden, verlieren zuallererst Frauen Job und Einkommen“, so Anzengruber. Mit einer Armutsgefährdungsquote von 25 Prozent sind insbesondere alleinlebende Frauen betroffen. „Jede vierte alleinerziehende Frau ist armutsgefährdet. Sie haben es in der derzeitigen Krise besonders schwer. Eine finanzielle Grundsicherung ist häufig nicht gegeben,“ so Klaus Schwertner, Generalsekretär der Caritas der Erzdiözese Wien. „Hinzu kommt, dass viele Spenden- und Benefizaktionen, etwa für die Mutter-Kind-Häuser, aufgrund des Corona-Virus ausgefallen sind. Wir rechnen mit Einbußen, obwohl gleichzeitig der Bedarf in diesem Jahr höher sein wird. Wir bitten daher dringend um Spenden.“

 

Frauennetzwerk #UnserEine 

Vor zwei Jahren rief die Caritas gemeinsam mit Doris Schmidauer ein Frauennetzwerk ins Leben, das sich für die Anliegen von in Not geratenen Frauen einsetzt. „Es geht um Frauen, die Gewalt erfahren haben und dringend ein Notquartier brauchen. Um Frauen, die obdachlos sind und mit ihren Kindern auf der Straße stehen. Um Frauen, die in prekären Situationen leben, die alleinerziehend sind oder mit einer geringen Pension auskommen müssen“, betont Doris Schmidauer und weiter: „UnserEine* soll noch mehr Frauen miteinander vernetzen und noch mehr armutsbetroffene Frauen unterstützen.“ 

 

Angebote der Caritas für Frauen in Not

Die Caritas bietet in Wien und in der Steiermark Notquartiere und Tageszentren für obdachlose Frauen. Insgesamt führt die Hilfsorganisation 12 Mutter-Kind-Häuser mit insgesamt 271 Wohnplätzen in ganz Österreich, in Klagenfurt werden Opfer von Prostitution und Menschenhandel begleitet. Und in den 36 Sozialberatungsstellen unterstützt die Caritas Frauen direkt mit Beratung und Soforthilfe.

  •  Mit einer Spende von 33 Euro erhalten Frauen einen Platz in einer Notschlafstelle, Unterstützung bei der Arbeitssuche oder Essen und Kleidung für sich und ihr Kind.
  •  Mit einer Spende von 20 Euro erhalten armutsbetroffene Jungfamilien ein Babypaket mit vielen Dingen, die Babys brauchen.
  •  Mit einer Spende von 30 Euro erhalten Menschen, die unter der Armutsgrenze leben, einen Heizkostenbeitrag und umfassende Sozialberatung.

Kontonummer: 

Erste Bank
BIC: GIBAATWWXXX
IBAN: AT23 2011 1000 0123 4560
Spendenzweck: wirtun

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