Gemeinsam Wunder wirken

Ausgezeichnet: Caritas und Raiffeisen vergeben Prälat-Leopold-Ungar-JournalistInnenpreis 2020

16.11.20

Leopold-Ungar-Preis

Donnerstagabend wurden zum 17. Mal JournalistInnen mit dem Prälat-Leopold-Ungar-JournalistInnenpreis ausgezeichnet. Der Preis, der im Sinne des Lebenswerkes von Prälat Leopold Ungar von der Caritas der Erzdiözese Wien und der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien vergeben wird, ist mit 20.000 Euro der höchstdotierte JournalistInnenpreis Österreichs. Coronabedingt wurde der Preis online und via Livestream vergeben – musikalisch begleitet von den Strottern. Die Auswahl der prämierten Arbeiten oblag auch heuer einer unabhängigen Jury – bestehend aus: Roland Machatschke (Juryvorsitzender), Susanne Scholl, Andrea Puschl, Cornelia Krebs, Ingrid Brodnig, Florian Klenk und Irene Brickner. Caritas Präsident Michael Landau beglückwünschte die PreisträgerInnen via Video: „Als Caritas sind wir überzeugt: Das Antlitz einer Gesellschaft nimmt gerade auch in dieser Krise daran Maß, wie mit den Schwächsten umgegangen wird. Und ähnlich verhält es sich vielleicht auch mit gutem Journalismus: Er sollte auch die Sorgen und Nöte jener in den Blick nehmen, die über keine Lobby verfügen. Die PreisträgerInnen geben diesen Menschen ein Gesicht. Und das ist entscheidend – in einer Zeit, in der unsere Augen zu allererst auf täglich aktualisierte Gesundheits-Daten und AMS-Statistiken gerichtet sind. Denn die aktuelle Krise ist keine, die sich mit Zahlen alleine erfassen lässt.“ Michael Rab, Vorstandsdirektor der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien, betonte: „Die PreisträgerInnen haben mit ihren journalistischen Arbeiten eindrucksvoll aufgezeigt, dass auch in Zeiten der Krise ein qualitativ hochwertiger Journalismus nicht nur möglich, sondern auch dringend notwendig ist. Österreich braucht verantwortungsvollen Journalismus als reflektierendes Korrektiv und letztlich als zentralen gesellschaftlichen und demokratischen Beitrag.“

Die Haupt-PreisträgerInnen 2020

In der Kategorie Print wurde dieses Jahr Nina Strasser für ihren Beitrag „Wie geht es Tante Helli?“ – erschienen in NEWS – ausgezeichnet. Die Coronavirus-Krise ist das dominierende Ereignis des laufenden Jahres 2020 – auf der ganzen Welt und auch in Österreich. Eine der verletzlichsten Einrichtungen sind Alten- und Pflegeheime. Wochenlang durfte die Autorin ihre Großtante, die an Demenz erkrankt ist und in einem Pflegewohnhaus lebt, nicht besuchen. In ihrer in der Zeitschrift News veröffentlichten Reportage schildert Nina Strasser diese Wochen der Bestürzung und des Leidens am sozialen Entzug bildhaft und konkret. Ihr gelang dabei ein eindringlicher Text, der die Grausamkeit eines holzschnittartigen Lockdowns für alte, auf Pflege und Zuspruch angewiesene Menschen ans Tageslicht bringt. Für diese aktuelle und wichtige Reportage erhält Nina Strasser den Prälat-Leopold-Ungar-JournalistInnenpreis 2020 in der Kategorie Print.

Der Hauptpreis in der Kategorie Fernsehen geht heuer an Christa Hofmann für ihr Weltjournal „Syrien – das Erbe des IS“ in ORF 2. Hofman konnte Anfang des Jahres als eine der wenigen internationalen JournalistInnen die ehemaligen IS-Gebiete in Nordsyrien besuchen. Ihre halbstündige Reportage beeindruckt und sie überrascht: wir sehen junge, emanzipierte Frauen, die ihre Gleichstellung im Autonomen Kurdengebiet Rojava durchgesetzt haben. Wir sehen die kurdische Frauenmiliz, die maßgeblich zum Sieg über den IS beigetragen hat und lernen, dass die Dschihadisten vor den Kämpferinnen besondere Angst hatten: „Wir fürchten nicht den Tod, sondern den Tod durch eine Frau,“ sollen sie gesagt haben. Diese selbstbewussten, kämpferischen Frauen stehen in krassem Gegensatz zu den tiefverschleierten IS-Frauen, die Hofmann im Gefangenenlager Al-Hol interviewt. Die Reporterin führt sehr persönlich durch die Reportage, wir lernen mit ihr die Protagonistinnen kennen und sind erstaunt, wie sehr diese Frauen die traditionell patriarchalische Gesellschaft in diesem Teil Syriens schon verändert haben.

Der Hauptpreis in der Kategorie Online wurde heuer an die Journalisten David Freudenthaler, Michael Mayrhofer und Philipp Pankraz von der Redaktion Addendum verliehen. In ihrer mehrteiligen Podcast-Reihe „Die vergessene Hölle“ arbeiten sie die Geschichte des Konzentrationslagers Gusen auf, dessen Existenz von vielen AnwohnerInnen des Orts verdrängt, von der Politik ignoriert und auch in der Wissenschaft wenig beleuchtet wurde. Und das obwohl in Gusen in Oberösterreich mehr als 35.000 Menschen ermordet wurden. Mit ihrer Arbeit erfahren die ZuhörerInnen aber nicht nur etwas über den Ort selbst, sondern auch über Österreich insgesamt, das seine Geschichte lange Zeit ausgeblendet und bis heute nicht lückenlos aufgearbeitet hat. David Freudenthaler, Michael Mayrhofer und Philipp Pankraz haben die Möglichkeiten des Formats Podcasts als komplexe Erzählform genutzt, Atmosphäre vor Ort eingesammelt und authentisch klingende Stimmen zu Wort kommen lassen. 

In der Kategorie Radio wurde die Arbeit von Claudia Gschweitl mit dem Titel „Willkommen in Weikendorf“ in der Reihe „Hörbilder“ auf Ö1 ausgezeichnet. Im Sommer 2019 geriet der kleine Ort Weikendorf im Weinviertel landesweit und auch international in die Schlagzeilen: Eine palästinensische Flüchtlingsfamilie wollte dort ein Haus kaufen, doch der Bürgermeister verweigerte seine Zustimmung. Die DorfbewohnerInnen starteten eine Unterschriftenaktion gegen den Zuzug der Muslime. Es folgte ein monatelanger Rechtsstreit. Gschweitl ist es gelungen, die Geschehnisse in der kleinen Gemeinde aus einer persönlichen Sicht zu schildern, ohne je in eigene Befindlichkeiten abzugleiten. Die Menschen in dem aufwühlenden Bericht sprechen für sich selbst, die HörerInnen können sich ihr eigenes Bild machen. Ein wunderbares Stück Radio: subtil, komplex, austariert – und nicht leicht verdaulich.

Die AnerkennungspreisträgerInnen 2020

Anerkennungspreise wurden heuer in der Kategorie Print an Sophia Lang („Ziemlich beste Freundinnen“, erschienen in „Welt der Frauen“), Eja Kapeller („Du und Ich“, erschienen in Wienerin), Jana Reininger („Verrückte Kindheit“, erschienen in DATUM) vergeben. In der Kategorie TV wurden Helene Voglreiter („Angegriffen und aufgelegt - Wie ein junger Mann mit Behinderung doppelt diskriminiert wurde“, für „Freistunde“ ORF) und Alexander Bischofberger-Mahr („Obdachlos im Winter – wenn die Kälte kommt“, für krone.tv) ausgezeichnet. Die Anerkennungen im Bereich Hörfunk gingen an Stefanie Jeller („Eine Kindheit als U-Boot“, für Radio Klassik Stephansdom), Alina Sklenicka („Posten lernen ohne Hass“, in „Moment-Leben heute“ Ö1) und Eva Gänsdorfer („Wenn der Krieg Familien trennt“, in „Moment-Leben heute“ Ö1). Valentine Auer („ROM*NJA, erschienen auf romnja.valentine-auer.at) erhielt einen Anerkennungspreis in der Kategorie Online.