Kinder in Not

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Februarkollekte 2021

Kinder in Krisenregionen: Zwischen Krieg und Lockdown

Corona stellt für uns alle eine enorme Belastung dar. Besonders verheerend ist die Situation für Kinder in Krisenregionen. Denn zusätzlich zu den Problemen, die die Pandemie mit sich bringt, wissen viele Kinder nicht einmal, ob sie zuhause vor Krieg und Kämpfen sicher sind, ob sie jemals wieder zur Schule gehen können. Oder was sie auf die Frage antworten sollen „Was willst du einmal werden, wenn du groß bist?“, weil sie aufgrund der äußeren Umstände keine Perspektive für sich sehen. So geht es auch dem neunjährigen Grigor aus der Region Bergkarabach. Der Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan hat die Region enorm mitgenommen und tausende Menschen in die Flucht im eigenen Land getrieben. Grigor versteckte sich gemeinsam mit seiner Mutter in einem kleinen Schuppen, als die Bomben auf seine Heimatstadt Stepanakert fielen. „Ich hatte Angst aber ich musste ruhig bleiben, mutig sein“, erzählte Grigor später. Seine Mutter floh mit ihm nach Gyumri im sichereren Norden Armeniens, wo sie Unterschlupf bei einer Tante bekamen. Mitnehmen konnten sie nichts. Keine Kleidung, kein Geld. Auch andere Verwandte haben hier Zuflucht gesucht. Derzeit leben achtzehn Menschen in einer Drei-Zimmer-Wohnung. Acht davon sind Kinder. Grigor und seine Familie bekommen nun Unterstützung von der Caritas: durch Nahrung, Hygieneartikel und medizinische Versorgung. Somit kann die schlimmste Not gelindert werden. Für Kinder auf der Flucht haben jedoch auch die Covid bedingten Schulschließungen enorme langfristige Auswirkungen.

Schulschließungen verringern Zukunftschancen

Laut eines Berichts von UNHCR werden bis zur Hälfte aller Kinder auf der Flucht nicht in den Unterricht zurückkehren. Der Malala-Fonds schätzt außerdem, dass in Ländern mit niedrigen Einschulungsraten Mädchen in Sekundarschulklassen nach der Wiedereröffnung überhaupt nicht mehr zur Schule gehen werden. In 188 Ländern weltweit wurden Schulen geschlossen. Davon waren und sind 1,5 Milliarden Kinder und Jugendliche betroffen. Nur 30 Prozent der ärmsten Länder der Welt haben auf Fernunterricht (etwa über Radio, Fernsehen oder Internet) umgestellt.
Vor allem Kinder aus sozial benachteiligten Familien stellt das vor unverhältnismäßig große Schwierigkeiten: Oftmals haben sie keinen Internetzugang, keinen ungestörten Platz zum Lernen oder niemanden, der ihnen Aufgaben angemessen erklären kann. Während Kinder in reichen Ländern durchschnittlich sechs Wochen Schulzeit durch die Pandemie verloren haben, sind es in den ärmsten Ländern beinahe vier Monate.

Diese Kinder bleiben zurück, verlieren mit dem täglichen Unterricht in der Schule nicht nur ihre Bildungschancen, sondern auch die Stabilität, die sie oft in belastenden, engen oder sogar gewalttätigen Familiensituationen dringend brauchen. Gewalt passiert im Lockdown häufiger. Save the Children führte etwa eine Umfrage in ihren Projekten zum Thema durch. 30 Prozent der Kinder gaben an, seit Ausbruch der Pandemie zuhause mehr Gewalt zu erleben. Wenn auch dazu die Löhne der Eltern (zum Beispiel durch eine Corona-Erkrankung, Jobverlust) wegfallen, müssen Kinder oft die Erwachsenenrolle übernehmen, Arbeiten gehen, auf die Geschwister aufpassen. Und: Mädchen werden schneller verheiratet, wenn auch nur, um eine Esserin weniger am Tisch zu haben.

So hilft die Caritas Kindern in der Corona-Krise

Auch als Caritas stehen wir in unseren Kinderprojekten vor Hürden. Unsere Programme haben wir deshalb an die Covid-Situation angepasst, um Kindern in Armut trotzdem so gut wie möglich helfen zu können. Denn wir glauben ganz fest daran: Kinder sind unsere Zukunft. Sie sind diejenigen, die eines Tages die großen Herausforderungen unserer Zeit in Angriff nehmen müssen. Jedes Kind muss jetzt die Chance bekommen, in Sicherheit und Geborgenheit aufzuwachsen, um eines Tages ein unabhängiges, glückliches Leben als verantwortungsvolle*r Erwachsene*r führen zu können. Schlüsselfaktoren sind ein geschütztes Zuhause, ausreichende, ausgewogene Mahlzeiten, wichtige Bezugspersonen und vor allem auch eines: Bildung.