Gemeinsam Wunder wirken

Caritas: „Niemand lebt freiwillig auf der Straße“

03.01.20

Caritas startet mit erster Winterbilanz ins neue Jahr: Zahl der Nächtigungen in der Gruft gestiegen, Nachfrage in Wärmestuben hoch.

„Die vergangenen Tage rund um Weihnachten und Neujahr waren für uns als Caritas nicht nur besinnlich, sondern aufgrund der kalten Temperaturen auch ziemlich fordernd“, betonte Klaus Schwertner, Generalsekretär der Caritas der Erzdiözese Wien, bei einem Pressetermin am Freitag. In einer von insgesamt 35 pfarrlichen Wärmestuben zog Schwertner eine erste Winterbilanz. „Unsere Streetworkteams waren mit dem Kältebus auch an den Feiertagen im Einsatz, die Suppenbusse waren täglich unterwegs und auch das Caritas Kältetelefon war rund um die Uhr besetzt. Die Bilanz der vergangenen Tage und Wochen lautet: Unsere Winternotquartiere sind voll belegt, die Zahl der Kältetelefon-Anrufer ist weiterhin hoch und die Anzahl der pfarrlichen Wärmestuben ist in diesem Winter so hoch wie nie zuvor. An insgesamt 35 Standorten – um fünf mehr als noch vor einem Jahr – werden wir bis zum Ende der kalten Jahreszeit voraussichtlich mehr als 10.000 Besuche von Menschen in Not zählen. Unser Ziel: Im Winter soll kein Mensch auf Wiens Straßen frieren und erfrieren müssen. Niemand lebt freiwillig auf der Straße.“ Gemeinsam mit mehr als 800 Freiwilligen, sowie Spenderinnen und Spendern hat die Caritas deshalb ein möglichst dichtes Netz der Nothilfe quer über die ganze Bundeshauptstadt gespannt. Durch die stufenweise Eröffnung der 35 Wärmestuben wird dieses Netz nun noch dichter geknüpft: Neben den zusätzlichen Nachtnotquartieren gibt es seit 1. Dezember mit den Wärmestuben auch tagsüber die Möglichkeit, sich aufzuwärmen und eine warme Mahlzeit zu erhalten. Erstmals gibt es heuer eine Wärmestube eigens für junge, von Obdachlosigkeit betroffene Menschen. Dass gerade auch junge Menschen von akuter Obdach- oder Wohnungslosigkeit betroffen sind, spürt die Caritas seit geraumer Zeit. Mehr als ein Drittel der Menschen, die sich wegen akuten Wohnproblemen erstmals an die Caritas wenden, ist unter 30 Jahre alt. „Junge Menschen, die auf der Straße stehen und oft keinen Rückhalt durch Familie oder Freunde haben, brauchen einen Ort der Zuflucht“, so Schwertner. „Mit der neuen Wärmestube wollen wir ihnen diesen Ort zur Verfügung stellen.“ Eine zweite Wärmestube bietet Schutz- und Rückzugsmöglichkeiten speziell für Frauen.  

Das Caritas Kältetelefon: Lebensretter am Telefon

Das Caritas-Kältetelefon ist in Wien unter 01/480 45 53 sieben Tage pro Woche, rund um die Uhr bis zum 30. April erreichbar. In diesem Winter wurden seit 1. November 2.722 Anrufe (Stand: 31.12.2019) entgegengenommen. Mit dem Caritas Kältebus fahren die Streetworkteams den Hinweisen nach und suchen die genannten obdachlosen Personen und Orte auf. 120 Freiwillige helfen alleine beim Kältetelefon mit. 

Zahl der Nächtigungen in der Gruft im Vorjahr gestiegen

Konstant hoch ist die Zahl der KlientInnen, die zum Essen in die Obdachloseneinrichtung Gruft kommen: 2019 wurden 119.653 Mahlzeiten ausgegeben. Gestiegen ist die Zahl der Nächtigungen in der Gruft: 22.370 Nächtigungen wurden im letzten Jahr verzeichnet, 2018 waren es 22.109 Nächtigungen. Im Louisebus, dem medizinischen Betreuungsbus der Caritas, wurden 7.498 Behandlungen an 2.242 Personen vorgenommen. Und 71.356 Gäste wurden von den freiwilligen MitarbeiterInnen des Canisibus im letzten Jahr mit einer warmen Suppe versorgt.

Sorgen um Wohnungsnot groß 

In Wien sind laut Caritas einige hundert Menschen von akuter Obdachlosigkeit betroffen. Die Anzahl jener, die von „versteckten Wohnungslosigkeit“ betroffen sind - bei Bekannten mitwohnen, billige Pensionszimmer mieten oder extrem schwierige Lebensbedingungen ertragen, um nicht auf der Straße zu landen -  ist jedoch wesentlich größer. Schwertner verwies bei dem Termin auf diese Probleme rund ums Thema Wohnen: „Im Jahr 2019 haben sich 8.200 Menschen in Wien mit Problemen rund ums Wohnen hilfesuchend an die Caritas (P7 – Erstanlaufstelle für akut wohnungslose Menschen) gewandt. Diese Zahl macht deutlich: Leistbares Wohnen wird auch im Jahr 2020 für viele Menschen eine große Herausforderung bleiben!“

Spendengelder dringend benötigt

Schwertner dankte auch den Verantwortlichen der Stadt Wien und des Fonds Soziales Wien, die jetzt während der Wintermonate zusätzliche Hilfsangebote für obdachlose Menschen bereitstellen. „Die Stadt Wien leistet in der Obdachlosenhilfe viel – mehr als andere Metropolen in Europa“, so Schwertner. „Klar ist aber auch: In vielen Fällen reichen die öffentlichen Förderungen nicht aus, um die große Nachfrage nach Hilfe zu stillen. Ohne Spenden und Freiwillige wäre vieles nicht möglich: Keine Suppenbusse, keine Wärmestuben, keine winterfesten Schlafsäcke und auch die Gruft könnte nicht jene Hilfe leisten, die dringend gebraucht wird.“

Mit 50 Euro ist es möglich, einen winterfesten Schlafsack und eine warme Mahlzeit für einen obdachlosen Menschen zu spenden.

 

Caritas Spendenkonto

IBAN: AT163100000404050050

BIC: RZBAATWW

Kennwort: „Gruft Winterpaket“

Online-Spenden: www.gruft.at