Zehn Jahre Atelier 10 

In einer ehemaligen Backhalle in Wien Favoriten hat sich das Atelier 10 in den vergangenen zehn Jahren als Ausstellungs- und Arbeitsplattform für zeitgenössische Kunst etabliert. Über 200 Künstler*innen wurden unterstützt, mehr als 15.000 Besucher*innen bei mehr als 20 Ausstellungen gezählt. Trägerin des Projektes ist die Caritas. „Das Atelier 10 dient als Plattform zur gezielten Förderung und professionellen Präsentation außergewöhnlicher künstlerischer Talente. Und es geht um Chancengleichheit im Kunstbetrieb. Denn das Atelier 10 unterstützt künstlerische Leistungen von Menschen mit gesundheitlichen oder kognitiven Beeinträchtigungen. Dabei verfolgt es ausdrücklich keine pädagogischen oder therapeutischen Ziele. Künstlerisch hochschwellig und gleichzeitig sozial niederschwellig – Mit diesem Anspruch ist die Plattform in der Kunstlandschaft, aber auch in der Soziallandschaft ein in mehrerlei Hinsicht außergewöhnliches Projekt“, betont Klaus Schwertner, Gf. Caritasdirektor der Erzdiözese Wien.

Das Atelier 10 vereint eine Ausstellungsgalerie und ein Gemeinschaftsatelier unter einem Dach. Das Atelier dient als permanenter Arbeitsplatz für Künstler*innen, die auf Basis ihrer herausragenden künstlerischen Potenziale eingeladen wurden. Darüber hinaus bietet der Atelierraum aber auch Möglichkeiten für temporäre Teilnahmen, sogenannte Künstler*innen-Praktika. Die Räume bieten somit im Wechsel Platz für ca. 40 weitere Künstler*innen pro Jahr. Der Aufbau ist frei organisiert: nach erfolgter Aufnahme können die Künstler*innen das Atelier innerhalb der Öffnungszeiten nach eigenem Ermessen nutzen. Die Nutzung ist kostenfrei und ohne zeitliche Begrenzung. Neben Partnern wie Wiener Städtische Versicherungsverein, Bundeskanzleramt und Bundesministerium für Kunst und Kultur, fördert auch die Stadt Wien das Projekt finanziell. Das Atelier 10 ist eine Subwerkstatt des Fonds Soziales Wien und verfügt über drei Klient*innen-Plätze.

In den vergangenen Jahrzehnten wurden Kategorien wie Art Brut und Outsider Art verwendet, um der Kunst aus diesem Spannungsfeld einen Namen zu geben. Das Atelier 10 steht für den Versuch, sich diesen Zuordnungen zu entziehen und die Kunst im Zentrum der Kulturgesellschaft zu verorten. Günther Oberhollenzer, Kurator der Landesgalerie NÖ und Mitglied des Kunstbeirats: „Das Atelier 10 ist eine unverzichtbare Bereicherung für das Kunst- und Kulturleben der Stadt Wien und in ihrer strukturellen Form einzigartig in Österreich. Mit großer Neugierde verfolge ich als Kurator die engagierten Aktivitäten und sehenswerten Ausstellungen und bin begeistert von der kreativen Kraft einer Kunst, die sich jenseits von Moden und Mainstream bewegt.“ Angela Stief, Direktorin der Albertina modern, hat das Atelier 10 von Anfang begleitet: „Ich bin stets auf der Suche nach spannenden Positionen und wende mich dabei immer wieder den Rändern der Kunst zu. Dabei ist die Biographie nachrangig. In Sammlungen, Galerien, überall dort wo Kunst ausgestellt wird, soll in erster Linie die Qualität im Vordergrund stehen. Wenn Vertreter*innen sogenannter Outsider-Art gemeinsam mit klassischen Positionen ausgestellt und sichtbar werden, lösen sich Grenzen und Kategorien auf.“

Erste Publikation erschienen

Anlässlich des Jubiläums wurde der erste Bildband des Projektes mit dem Titel „ATELIER 10 – now we are ten“ präsentiert, der im VFMK Verlag für moderne Kunst erschienen ist. Auf über 450 Abbildungen dokumentiert die Publikation den Anspruch auf Gleichheit in der Rezeption und richtet sich sowohl gegen eine auf Relativierung als auch auf Überhöhung geeichte Erwartungshaltung – eine Haltung, die sich immer noch automatisiert einstellt, wenn über Kunst von Menschen mit kognitiven oder gesundheitlichen Beeinträchtigungen die Rede ist. 

Buchpräsentation Donnerstag, 23. Juni 2022 // 19 Uhr ATELIER I0 / BROTFABRIK WIEN Puchsbaumgasse 1c, 1100 Wien Eingang über Innenhof Stiege 5 + Lift 5.1

Caritas und Kunst

„Caritas und Kunst, das geht zusammen“, erklärt Schwertner. Seit 2007 betreibt die Caritas den offenen Kunstraum Brunnenpassage in Ottakring, der unlängst mit dem Europäischen Preis für Stadtkultur ausgezeichnet wurde – Als Modellprojekt für transkulturelle Kunst wird die Brunnenpassage in ihrer Wirkung weit über die Grenzen Österreichs hinaus wahrgenommen. Das Projekt „Tanz die Toleranz“ widmet sich speziell dem Tanz als Kunstform. Superar – gegründet mit den Wiener Sängerknaben und dem Wiener Konzerthaus – ist Nachbar in der Brotfabrik und stellt Musik als Medium in die Mitte der sozialen Arbeit. „In unseren Projekten wenden wir uns dabei an ganz unterschiedliche Bevölkerungsgruppen und wollen sie zur Begegnung auf hohem künstlerischen Niveau führen“, so Schwertner abschließend.

www.atelier10.eu