Ein Gruppe von Menschen in einer Schulklasse.

v.l.n.r.: Marko Miloradović (waff), Daniela Rohm (Caritas Erzdiözese Wien), Klaus Schwertner (Caritas Erzdiözese Wien), Arno Langmeier (Bildungsdirektion Wien), Johannes Kopf (AMS) © Johannes Hloch

Caritas eröffnet Ausbildungszentrum Seegasse: „Dieser Ort ist eine Antwort auf den Fachkräftemangel im Pflege- und Sozialbereich“


Wer hier abschließt, wird am Arbeitsmarkt dringend gebraucht. Laut aktuellen Prognosen wird sich die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in Österreich bis 2050 mehr als verdoppeln. Bis 2030 werden deshalb bis zu 75.000 zusätzliche Pflege- und Betreuungspersonen in Österreich benötigt – 9.000 davon allein in Wien. „Die gute Nachricht lautet: Noch nie waren so viele Menschen wie heute im Gesundheits-, Sozial- und Pflegebereich beschäftigt“, sagt Caritasdirektor Klaus Schwertner. „Die schlechte Nachricht lautet leider: Angesichts einer älter werdenden Gesellschaft und des hohen Bedarfs an Pflege sind es noch immer zu wenige Menschen, die einen Pflegeberuf ergreifen. Das neu eröffnete Ausbildungszentrum Seegasse in Wien Alsergrund setzt hier an. Dieser Ort ist eine Antwort auf den Fachkräftemangel im Pflege- und Sozialbereich und es ist ein Ort, an dem die Auszubildenden für Jobs mit Sinn qualifiziert werden – Jobs, bei denen der Mensch im Mittelpunkt steht und die von KI vermutlich niemals ersetzt werden können.“

Gemeinsam mit AMS-Vorstand Johannes Kopf, waff-Geschäftsführer Marko Miloradović und Arno Langmeier, stv. Bildungsdirektor für Wien, eröffnete Schwertner am Mittwoch das neu gestaltete Ausbildungszentrum. Nach einer Generalsanierung startet der traditionsreiche Standort mit einem innovativen Konzept, das sich klar auf Menschen ab 17 Jahren und erwachsene Quereinsteiger*innen fokussiert. Das Ausbildungsangebot reicht von einer berufsbildenden Schule bis zu und praxisnahen Aus- und Weiterbildungslehrgängen für Pflege und Sozialbetreuung. Daniela Rohm, Leiterin Schulen und Ausbildung bei der Caritas Erzdiözese Wien: „Der Ausbildungsstandort in der Seegasse blickt auf eine über 75-jährige Geschichte in der Entwicklung sozialer Berufe zurück. Zahlreiche heute etablierte Ausbildungswege in Österreich gingen aus diesem Standort hervor. Mit dem neuen Konzept wird diese Tradition fortgesetzt – mit besonderem Fokus auf Qualität, Durchlässigkeit und erwachsenengerechte Bildung.“ Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Sozialbetreuung, die pflegerische Kompetenzen mit pädagogischem Fachwissen verbindet. Absolvent*innen unterstützen etwa Menschen mit Demenz, psychischen Erkrankungen oder anderen Einschränkungen im Alltag. Damit ergänzt die Sozialbetreuung klassische Pflegeberufe und schafft ein breites Einsatzfeld in der Langzeitpflege.

„Das neue Ausbildungszentrum Seegasse ist ein wichtiger Baustein für den Bildungs- und Arbeitsstandort Wien. Die enge Verknüpfung von Ausbildung und Praxis schafft qualitätsvolle Perspektiven in einem Bereich mit hohem Fachkräftebedarf, insbesondere für Erwachsene. Damit leistet es einen wesentlichen Beitrag zur Sicherung der Pflege- und Sozialversorgung in der Stadt“, zeigt sich stv. Bildungsdirektor Arno Langmeier beeindruckt.

Förderungen erleichtern Einstieg
Viele Teilnehmer*innen sind 40 Jahre und älter und nutzen die vielfältigen Fördermöglichkeiten, um in einen sozialen Beruf zu wechseln. Arbeitsstiftungen von AMS und waff, Pflegestipendien, das Wiener Ausbildungsgeld und weitere Unterstützungen ermöglichen aktuell die Deckung von Ausbildungs- und Lebenshaltungskosten. Diese Förderungen geben Erwachsenen die notwendige Planungssicherheit für einen beruflichen Neustart.

„Der steigende Bedarf an Pflegekräften ist eine der wesentlichen Herausforderungen am Arbeitsmarkt. Auch dafür brauchen Menschen finanzielle Sicherheit während der Ausbildung, damit diese leistbar und planbar ist. Mit den Förderungen des AMS setzen wir gezielt Anreize, damit mehr Menschen eine Ausbildung in diesem Bereich beginnen oder sich weiterqualifizieren. Die hohe Nachfrage und die Steigerung der Teilnahmen von rund 7.000 auf über 20.000 im Pflegestipendium in den letzten drei Jahren zeigen, dass unsere Maßnahmen wirken und einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung leisten“, unterstreicht AMS-Vorstand Johannes Kopf die zentrale Rolle der Fördermaßnahmen im Pflegebereich, für die das AMS allen im Jahr 2025 mehr als 170 Millionen Euro aufgewendet hat.

waff-Geschäftsführer Marko Miloradović erklärt: „Erwachsene Umsteiger*innen nehmen das gute Angebot, in Pflege- und Betreuungsberufe einzusteigen, gerne wahr. Sie werden im Verhältnis zur Erstausbildung immer wichtiger. 2025 waren mehr als 55 Prozent der Auszubildenden Erwachsene, die mit dem waff eingestiegen sind. Allein in den vergangenen fünf Jahren sind rund 11.000 Wiener*innen mit Unterstützung des waff in die Pflege und Betreuung eingestiegen. Das zeigt, dass die hervorragende Zusammenarbeit mit dem Fonds Soziales Wien (FSW) Früchte trägt und den Umsteiger*innen exzellente Berufsperspektiven in den Wiener Pflege- und Betreuungseinrichtungen ermöglicht.“

Pflege braucht weiterhin politische Aufmerksamkeit
Die Caritas würde sich weiteren Rückenwind für Sozial- und Pflegeberufe wünschen – auch für die Zeit der Ausbildung. Schwertner: „Für die Pflege und Betreuung von morgen braucht Österreich deutlich mehr Fachkräfte. Wir bilden sie aus – hier und in Caritasschulen in ganz Österreich. Wir brauchen aber dringend auch weitere politische Schritte, um Ausbildung, Arbeitsbedingungen und Versorgungsstrukturen langfristig zu sichern. Denn eine Ausbildung in der Pflege darf nicht weniger wert sein als in wirtschaftlichen Berufen. Gleichzeitig müssen die Sozialbetreuungsberufe stärker aufgewertet werden: Sie sind unverzichtbar für eine funktionierende Versorgung und müssen in Planung, Finanzierung und politischen Entscheidungen genauso berücksichtigt werden wie Pflegeberufe.“ Die Caritas fordert daher eine verlässliche und umfassend finanzierte Gesamtstrategie für die Ausbildung im Bereich Pflege und Sozialbetreuung. Diese soll alle Bereiche abdecken – von der Finanzierung über die Ausbildung bis hin zur gesellschaftlichen Anerkennung. Wichtig ist außerdem eine faire Finanzierung der Schulen, die über einzelne Förderungen hinausgeht, sowie ein langfristig gesichertes Pflegestipendium. So können auch Quereinsteiger*innen ihre Ausbildung mit der nötigen Sicherheit abschließen.

Schulen der Caritas in Österreich
Die Caritas ist in Österreich der größte Schulträger für Schulen von Sozialbetreuungsberufen. Insgesamt betreibt sie 20 Schulstandorte in sechs Bundesländern, an denen rund 5.000 Auszubildende in den Bereichen Pflege, Soziales bzw. Sozialwirtschaft lernen. Davon absolvieren etwa 3.000 eine Schule für Sozialbetreuungsberufe (SOB). Seit 2020 bietet die Caritas außerdem an Höheren Lehranstalten für Pflege und Sozialbetreuung (HLSP) fünfjährige Ausbildungen mit Matura sowie an Fachschulen Ausbildungen mit Pflegevorbereitung an.

Interessierte finden alle Informationen zum Caritas Ausbildungszentrum Seegasse unter www.abz.caritas-schule.at sowie beim Tag der offenen Tür am Mittwoch, 08. April 2026, von 15.00 bis 18.00 Uhr.