Eine Personengruppe durchschneidet ein rotes Band.

© Johannes Hloch

Caritas und Erzdiözese Wien gehen mit Pilotprojekt „Kirchenschiff“ vor Anker


„Hafen und Anlegestelle zugleich“ sein – für Menschen aus der Nachbarschaft ebenso wie für jene, die Unterstützung, Stille oder Spiritualität suchen: Mit diesem Bild beschreibt Caritasdirektor Klaus Schwertner das neue Projekt „Kirchenschiff“, das heute, Donnerstag, in der Pfarrkirche Auferstehung Christi in Wien-Margareten feierlich eröffnet wird. Aus der Taufe gehoben wird hier nichts weniger als ein gemeinsames Pilotprojekt von Caritas und Erzdiözese Wien, das österreichweit Vorbildcharakter entwickeln könnte. Erzbischof Josef Grünwidl weist auf die Bedeutung des Projekts hin: „Mit dem Kirchenschiff geben wir der Kirche Auferstehung Christi eine Zukunft – und einen erweiterten Auftrag. Wir bewahren den Kirchenraum als Ort des Gottesdienstes und des Gebetes und entwickeln ihn weiter zu einem Ort der konkreten Nächstenliebe.“ So werde deutlich, betont Grünwidl, „Kirche blüht dort auf, wo sie den Menschen dient und ihnen einen Ort bietet, an dem jede und jeder willkommen ist.“ Auf rund 1.100 Quadratmetern soll ein österreichweit einzigartiges Projekt entstehen. Schwertner: „Eine nicht profanierte, denkmalgeschützte Kirche bleibt Kirche – und wird zugleich zu einem offenen Sozial- und Begegnungszentrum für die Stadt. Hier können künftig Menschen andocken – ganz gleich, ob sie konkrete Hilfe brauchen, Gemeinschaft suchen oder in Stille und Gebet sein wollen.“ Bei der Eröffnung waren neben Grünwidl und Schwertner unter anderem Bürgermeister Michael Ludwig, Doris Schmidauer und Propst Anton Höslinger an Bord.

Kirchenschiff als Anlegestelle für konkrete Hilfsprojekte
Die 1969 – 1971 in einer Wohnhaussiedlung in der Siebenbrunnenfeldgasse errichtete Pfarrkirche wird ab sofort für mehrere Hilfs- und Unterstützungsangebote, aber auch für Vereine und Kulturinitiativen offenstehen. Schwertner: „Gerade jetzt angesichts der Teuerung finden Armutsbetroffene hier eine neue Lebensmittel- und Kleiderausgabe vor. Im Winter beherbergt das Kirchenschiff eine pfarrliche Wärmestube, im Sommer eine kühlende Klimaoase. Darüber hinaus wird es hier Sozialberatung sowie ein Lernzimmer mit Nachhilfeangeboten geben. Kurzum: Es wird ein Ort sein, an dem hunderte Freiwillige für andere Menschen da sein werden.“ Gleichzeitig wird die Kirche weiter Raum für Gottesdienst und Gebet sein. Erzbischof Grünwidl bekräftigt: „Dass die Lebensmittel- und Kleiderausgabe für Menschen in Not im selben Raum stattfindet wie die Gottesdienste, macht spürbar: Der Dienst am Nächsten ist ein Dienst an Gott.“ Zwei Seelsorgende begleiten Menschen bei Bedarf in persönlichen und spirituellen Fragen. Für Projektleiterin Katharina Renner ist genau diese Offenheit entscheidend: „Das Kirchenschiff steht für eine Kirche, die beweglich bleibt – offen für Nachbarschaft, für externe Initiativen, aber auch offen für Menschen, die einer anderen Konfession angehören.“

Bürgermeister Ludwig sieht „offenen Raum“, Schmidauer „Orte, die Mut machen“
Bürgermeister Michael Ludwig betonte die Bedeutung des Projekts in einer wachsenden Stadt: „Das Kirchenschiff zeigt sehr konkret, wie wir in Wien mit knappen Flächen in einer wachsenden Stadt umgehen können und darin echte Chancen erkennen. Hier entsteht ein offener Ort mitten im Grätzl, der Hilfe, Gemeinschaft und Kultur verbindet und damit Zusammenhalt ganz konkret erlebbar macht. Es ist ein Projekt mit Vorbildcharakter, weil es soziale Verantwortung, Nachbarschaft und städtische Entwicklung auf neue Weise zusammenbringt.“ Wichtig wäre das Projekt auch, weil es Hoffnung vermitteln könne, betont Doris Schmidauer, langjährige Botschafterin der Caritas: „Gerade in Zeiten großer Herausforderungen sind Orte, die Halt geben und Mut machen, besonders wertvoll. Mit dem Kirchenschiff öffnet sich ein neuer wichtiger Raum, der Mitwirkung ermöglicht und Gemeinschaft stärkt. Engagement und Solidarität sind das Gegenteil von Resignation – und davon brauchen wir mehr.“

Siluan Gall, Kaplan des Pfarrverbands Margareten: „In einer Zeit, in der der Fortbestand von Pfarrgemeinden immer herausfordernder wird, bietet das Projekt Kirchenschiff eine neue Perspektive des Ineinandergreifens von kirchlichen Aufgabenbereichen. Allem Anfang wohnt ein Zauber inne, und es benötigt eine Zeit des Zusammenwachsens. Die Synergien von Caritas und Pfarre ermöglichen der Gemeinde Werkzeuge, im Sinne des Christseins weiterhin ihrer pastoralen Tätigkeit nachzugehen und in der Zusammenarbeit mit den caritativen und kulturellen Angeboten des Kirchenschiffs ins Grätzl hineinzuwirken.“

Gemeinsam mit starken Partnern
Schwertner bedankte sich im Rahmen der Eröffnung auch bei den Unterstützer*innen des Projekts sowie der Gemeinde vor Ort: „Die Idee des Miteinanders hat das Projekt Kirchenschiff von Anfang an geprägt – vom ersten Entwurf bis zur konkreten Umsetzung. Ohne zahlreiche engagierte Partner*innen wäre dieser Kraftakt nicht möglich gewesen. Danke an alle Spender*innen, die durch ihre Unterstützung die Verwirklichung des Kirchenschiffs ermöglichen.“ Und weiter: „Ein besonderer Dank gilt dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK). Durch eine Förderung zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft in Österreich wird ein neues Konzept der Lebensmittel- und Kleiderausgabe umgesetzt, das soziale und ökologische Nachhaltigkeit noch stärker verbindet und Menschen in Not konkret unterstützt.“