Gemeinsam Wunder wirken

Freizeitbuddys unterstützen Menschen mit Demenz

06.04.18

„Wir wollen von Demenz Betroffene und ihre Angehörigen aktivieren und sie zurück in die Mitte der Gesellschaft holen“, erklärt Klaus Schwertner, Generalsekretär der Caritas der Erzdiözese Wien. „Ziel der Caritas ist es, eine verstärkte soziale Teilhabe und eine Steigerung der Lebensqualität für Menschen mit demenzieller Erkrankung und ihren Angehörigen zu erreichen.“ Oft ziehen sich bei Demenzerkrankungen, die Betroffenen, aber auch die Angehörigen aus der Öffentlichkeit zurück. Bedingt durch die Vergesslichkeit dominiert die Angst, etwas „Falsches“ zu tun, der Rückzug in die private Umgebung ist die Folge. Auch pflegende Angehörige sind aufgrund der meist durchgehend notwenigen Anwesenheit von Isolation sowie hoher psychischer und physischer Belastung betroffen. 

Nach einer Pilotphase startet die Caritas das Projekt „Vergessen wie’s geht?“ und sucht freiwillige MitarbeiterInnen, die als Buddys mit an Demenz erkrankten Menschen regelmäßig in Wien oder im südlichen Niederösterreich ein paar Stunden Freizeit verbringen. Das können Museumsbesuche, Spaziergänge, Lokalbesuche oder andere Aktivitäten sein. Die Zeit ohne die zu betreuende Person können die Angehörigen nach Belieben verbringen. 

Das Haus der Musik ist einer der ersten Kooperationspartner. Auch weil Musik ein sehr guter Anknüpfungspunkt bei Menschen mit Demenz ist, da gespeicherte musikalische Erinnerungen bei demenziellen Erkrankungen lange abrufbar bleiben. „Das Haus der Musik ist ein Ort lebendiger Auseinandersetzung mit Musik in all ihren Facetten. Unsere BesucherInnen sollen auf freudvolle Weise ihren ganz persönlichen Zugang zur Musik finden. Inklusion und Barrierefreiheit gelten seit vielen Jahren als essentielle Leitgedanken unserer Musikvermittlung. Umso mehr freut es mich, dass wir nun gemeinsam mit der Caritas eine neue Initiative für demenzkranke Menschen starten konnten“, betont Simon K. Posch, Direktor Haus der Musik. Die MusikpädagogInnen geben den Freizeitbuddys in speziellen Vorbereitungsterminen einen Überblick darüber, was das Museum an musikalischen Impulsen und Erlebnissen zu bieten hat. Gemeinsam werden dabei geeignete Vermittlungsstrategien entwickelt, die sich an den Bedürfnissen der an Demenz erkrankten Menschen orientieren.

Freiwillige und Kooperationspartner gesucht

Die Caritas freut sich über freiwillige MitarbeiterInnen. Sie sollten Zuverlässigkeit, Einfühlungsvermögen, Verständnis für Menschen mit Demenz mitbringen und regelmäßig ein bis zwei Stunden Zeit haben. Die Freizeitbuddys erhalten vor Beginn ihres Engagements eine Einschulung. Eventuelle Eintritte sind für die Freizeitbuddys frei. Infos unter www.zeitschenken.at

Auch Kooperationspartner aus unterschiedlichen Bereichen werden noch gesucht: Museen, Tiergärten, Ausstellungen, Konzerthäuser, Volkshochschulen – Voraussetzungen sind, dass sie Menschen mit demenzieller Erkrankung offen gegenüberstehen und der begleitende Freizeitbuddy freien Eintritt erhält

Im Rahmen der Initiative "Barrierefrei im Haus der Musik" ist der Eintritt für demenziell erkrankte BesucherInnnen und Begleitpersonen dank finanzieller Unterstützung von Casinos Austria als Sponsoringpartner des Hauses der Musik kostenlos. „Musik berührt und verbindet Menschen wie keine andere Kunstform. Das Buddy-Projekt bietet die Chance, Barrieren für Menschen mit Demenz abzubauen und sie im Sinne gelebter Inklusion am Angebot im Haus der Musik teilhaben zu lassen. Wir freuen uns, dazu im Rahmen unseres gesellschaftlichen Engagements einen Beitrag leisten zu können“, sagt Dietmar Hoscher, für CSR zuständiger Vorstand bei Casinos Austria. Diese Unterstützung wird aber nicht nur finanziell sein, so Hoscher mit Verweis auf das in der Unternehmensgruppe laufende Corporate Volunteering Programm: „Wir schenken jeder Mitarbeiterin und jedem Mitarbeiter ab heuer fünf Tage pro Jahr für gemeinnützige Arbeit und werden sie einladen, sich auch an diesem großartigen Projekt zu beteiligen.“

Erfahrung der Caritas Pflege im Bereich Demenz

Experten schätzen die Zahl der demenziell erkrankten Menschen in Österreich auf 130.000. Aufgrund der älter werdenden Bevölkerung muss mit mehr als einer Verdoppelung der Erkrankten bis 2050 gerechnet werden.

Mit dem Caritas Café Zeitreise an fünf Standorten in Wien und Niederösterreich werden die Selbsthilfe von Angehörigen und die Förderung der aufrechten Fähigkeiten von demenziell erkrankten Frauen und Männern unterstützt. Die Servicestellen für Angehörige und Demenz der Caritas beraten Angehörige in Wien und Wiener Neustadt. Die psychosoziale Angehörigenberatung unterstützt individuell und bietet auch Gesprächsgruppen. 

Derzeit wird das Projekt „Vergessen wie’s geht?“ ohne finanzielle Unterstützung betrieben. Die Caritas bittet um Spenden für die Ausbildung der Freizeitbuddys und den weiteren Ausbau.

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