Kinder in Not

Februarkollekte 2022

Kinder in Krisenregionen: Zwischen Krieg und Lockdown

Corona stellt für uns alle noch immer eine enorme Belastung dar. Besonders verheerend ist die Situation für Kinder in Krisenregionen. Denn zusätzlich zu den Problemen, die die Pandemie mit sich bringt, wissen viele Kinder nicht einmal, ob sie zuhause vor Krieg und Kämpfen sicher sind, ob sie jemals wieder zur Schule gehen können. Oder was sie auf die Frage antworten sollen „Was willst du einmal werden, wenn du groß bist?“, weil sie aufgrund der äußeren Umstände keine Perspektive für sich sehen.

So geht es auch der kleinen Layla: ihre Familie hat es nicht leicht: Sie mussten vor einigen Jahren aus Syrien nach Beirut fliehen und leben nun unter prekären Verhältnissen. Gott sei Dank gibt es die Schule Beth Aleph, wo Layla einen Platz zum Lernen und Spielen hat.

In einer ähnlich dramatischen Situation ist auch diese junge Mutter in der Ukraine:

„Als der Krieg unser Dorf erreichte, waren wir in unserem Haus gefangen. Vor unserer Haustür herrschte das laute Chaos eines aktiven Konfliktes mit starkem Beschuss bekämpfen sich die Gegenseiten. Im Vergleich zu anderen in unserer Gemeinde fehlte uns das Geld, um zu fliehen. Wir saßen fest. Zusätzlich ist meine Mutter sehr krank und nicht mobil, was die Situation und eine Flucht noch um einiges erschwert. Also blieben wir hier im rauen Winter mit bis zu -20° und inmitten eines Konfliktes. Wir haben keine Heizung und fließend Wasser. Wir froren und hatten Angst ums Überleben. Die Situation hielt über mehrere Monate an und sie hatte einen schwerwiegenden Effekt auf uns. Wir hatten jegliche Hoffnung auf eine Zukunft verloren und waren deprimiert. Meine Tochter war gereizt, aggressiv und isolierte sich komplett von mir und der restlichen Familie. Sie verlor die Fähigkeit, mit anderen zu kommunizieren und wenn sie sprach, sprach sie nur über den Krieg.

Letztes Jahr besuchte sie das Sommercamp der Caritas, während sie anfangs noch Angst hatte und sehr skeptisch war, blieb sie über den ganzen Zeitraum und kam mit einer viel positiveren Einstellung zurück. Sie war begeistert, als sie erfuhr, dass das Projekt über das ganze Schuljahr verlängert wird. Jedes Mal strahlte sie ein wenig mehr und gewann nach und nach die Freude an Gesprächen und dem sozialen Miteinander zurück. Einen besonders guten Draht hatte sie zur Sozialpädagogin Sonja. Ich wunderte mich, wie Sonja es schaffte, so ein großes Vertrauen zu meiner Tochter aufzubauen. Ich beschloss am Elternprogramm teilzunehmen und begann auch Zeit mit meinen Kindern im Rahmen des Angebotes zu verbringen. Es half mir, meine Kinder besser zu verstehen und eine gemeinsame Sprache zu finden. Das Allerwichtigste ist aber, dass diese Aktivitäten und der ungemütliche Einsatz der Sozialpädagog*innen meinen Kindern ein Stück ihrer unbeschwerten Kindheit zurückgeben können. Es gibt viel zu kalte Winter, in denen wir frieren. Wir leben inmitten eines stetig andauernden und sich zuspitzendes Konfliktes. Meine Kinder haben aber trotzdem die Hoffnung wiedergefunden und sehen eine Zukunft in dieser Gemeinde. Die Zuversicht meiner Kinder hilft auch mir den eigenen Pessimismus einzudämmern und mich mehr auf das wenige, aber doch positive zu konzentrieren. Wir versuchen uns eine sicherere Zukunft aufzubauen.“ Veronica, Mutter von zwei Kindern

Schulschließungen verringern Zukunftschancen

Laut eines Berichts von UNHCR werden bis zur Hälfte aller Kinder auf der Flucht nicht in den Unterricht zurückkehren. Der Malala-Fonds schätzt außerdem, dass in Ländern mit niedrigen Einschulungsraten Mädchen in Sekundarschulklassen nach der Wiedereröffnung überhaupt nicht mehr zur Schule gehen werden. In 188 Ländern weltweit wurden Schulen geschlossen. Davon waren und sind 1,5 Milliarden Kinder und Jugendliche betroffen. Nur 30 Prozent der ärmsten Länder der Welt haben auf Fernunterricht (etwa über Radio, Fernsehen oder Internet) umgestellt.
Vor allem Kinder aus sozial benachteiligten Familien stellt das vor unverhältnismäßig große Schwierigkeiten: Oftmals haben sie keinen Internetzugang, keinen ungestörten Platz zum Lernen oder niemanden, der ihnen Aufgaben angemessen erklären kann. Während Kinder in reichen Ländern durchschnittlich sechs Wochen Schulzeit durch die Pandemie verloren haben, sind es in den ärmsten Ländern beinahe vier Monate.

Diese Kinder bleiben zurück, verlieren mit dem täglichen Unterricht in der Schule nicht nur ihre Bildungschancen, sondern auch die Stabilität, die sie oft in belastenden, engen oder sogar gewalttätigen Familiensituationen dringend brauchen. Gewalt passiert im Lockdown häufiger. Save the Children führte etwa eine Umfrage in ihren Projekten zum Thema durch. 30 Prozent der Kinder gaben an, seit Ausbruch der Pandemie zuhause mehr Gewalt zu erleben. Wenn auch dazu die Löhne der Eltern (zum Beispiel durch eine Corona-Erkrankung, Jobverlust) wegfallen, müssen Kinder oft die Erwachsenenrolle übernehmen, Arbeiten gehen, auf die Geschwister aufpassen. Und: Mädchen werden schneller verheiratet, wenn auch nur, um eine Esserin weniger am Tisch zu haben.

So hilft die Caritas Kindern in der Corona-Krise

Auch als Caritas stehen wir in unseren Kinderprojekten vor Hürden. Unsere Programme haben wir deshalb an die Covid-Situation angepasst, um Kindern in Armut trotzdem so gut wie möglich helfen zu können. Denn wir glauben ganz fest daran: Kinder sind unsere Zukunft. Sie sind diejenigen, die eines Tages die großen Herausforderungen unserer Zeit in Angriff nehmen müssen. Jedes Kind muss jetzt die Chance bekommen, in Sicherheit und Geborgenheit aufzuwachsen, um eines Tages ein unabhängiges, glückliches Leben als verantwortungsvolle*r Erwachsene*r führen zu können. Schlüsselfaktoren sind ein geschütztes Zuhause, ausreichende, ausgewogene Mahlzeiten, wichtige Bezugspersonen und vor allem auch eines: Bildung.

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PfarrCaritas und Nächstenhilfe