Ein Jahrzehnt spezialisierte Betreuung für Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen in Wiener Neustadt: Das Angebot füllt eine wichtige Versorgungslücke.
Seit 2016 bietet die Caritas in Wiener Neustadt spezialisierte Betreuung für Menschen mit komplexen erworbenen Hirnschädigungen, etwa nach einem Schädel-Hirn-Trauma. Diese Betreuungsform ist in Niederösterreich einzigartig. „Mit der Wohngemeinschaft und der Tagesstätte Neuklostergasse haben wir vor zehn Jahren eine wichtige Lücke geschlossen: Wir haben diese Einrichtung geschaffen, weil bestehende Angebote den komplexen Bedürfnissen nach einer Hirnschädigung oft nicht gerecht wurden. Dabei ist das Schädel-Hirn-Trauma mit über 20.000 Neudiagnosen jährlich die zweithäufigste neurologische Erkrankung. Hier bieten wir einen geschützten Rahmen für einen Neustart – mit spezialisierter Unterstützung, Sicherheit und der Chance, Schritt für Schritt wieder in ein selbstbestimmtes Leben zurückzufinden“, betont Caritasdirektor Klaus Schwertner.
Durch das Engagement von Angehörigen, die Unterstützung des Landes Niederösterreich (Abteilung GS5) sowie die Zusammenarbeit mit der Stadt Wiener Neustadt konnte ein Ort geschaffen werden, der Entwicklung ermöglicht und gleichzeitig ein Zuhause bietet. Bürgermeister Klaus Schneeberger: „Die Wohngemeinschaft und Tagesstätte Neuklostergasse bietet Menschen mit Unterstützungsbedarf ein verlässliches Umfeld und wichtige Begleitung im Alltag. Dieses Engagement ist für unsere Stadt von großem Wert. Herzlichen Dank an das gesamte Team und alles Gute zum 10-jährigen Bestehen.“
Ganzheitliche Betreuung unter einem Dach
Ziel des Angebots ist es, Klient*innen nach der Rehabilitationsphase beim Übergang in ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu begleiten. Durch gezielte Therapie, Training sowie kognitive Förderung werden vorhandene Fähigkeiten erhalten und weiterentwickelt. Die Einrichtung vereint Wohnen und Tagesstruktur an einem Standort. Eine kleine Wohngruppe mit acht Bewohnerinnen und Bewohnern wird rund um die Uhr betreut. Ergänzt wird dieses Angebot durch eine Tagesstruktur mit pädagogischen und therapeutischen Schwerpunkten, darunter Ergo- und Physiotherapie sowie klinisch-psychologische Betreuung in enger Zusammenarbeit mit Fachärztinnen und Fachärzten.
Insgesamt nutzen bis zu 14 Klientinnen und Klienten die Tagesstruktur – darunter auch externe. Großzügige, barrierefreie Räumlichkeiten, eigene Therapiebereiche sowie ein Garten schaffen optimale Rahmenbedingungen. Die zentrale Lage in Wiener Neustadt ermöglicht zudem eine aktive soziale Teilhabe.
Seit der Eröffnung sind fünf der ursprünglich acht eingezogenen Bewohnerinnen und Bewohner weiterhin Teil der Wohngemeinschaft, ebenso begleiten drei der ursprünglich sechs externen Klientinnen und Klienten die Tagesstätte bis heute. Zwei Personen konnten den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt schaffen.
Für die Betreuung sorgen insgesamt sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Tagesstätte – darunter vier Therapeutinnen und Therapeuten – sowie elf Betreuerinnen und Betreuer in der Wohngemeinschaft. Das Angebot umfasst neben persönlicher Bezugsbetreuung auch Ausflüge und vielfältige Gruppenaktivitäten wie Rätselrunden, Koch- oder Bewegungsgruppen. Fixe Bestandteile des Jahres sind Veranstaltungen wie der jährliche Adventmarkt, Vernissagen, Sommerfeste und der Gartenkaffee. Darüber hinaus engagieren sich die Klientinnen und Klienten aktiv in der Interessensvertretung.
