Wenn Pfarren und Caritas gemeinsam zur Erntedanksammlung rufen, geht es um weit mehr als nur um haltbare Lebensmittel: Es geht um Zusammenhalt und konkrete Hilfe für Menschen, die jeden Euro mehrmals umdrehen müssen. Vom 20. September bis 18. Oktober 2026 sammeln 140 Pfarren in Wien und Niederösterreich im Rahmen der Le+O-Erntedanksammlung haltbare Lebensmittel für armutsbetroffene Menschen und setzen damit ein Zeichen der Solidarität. Den Auftakt der mittlerweile seit mehr als zehn Jahren bestehenden Initiative setzten Erzbischof Josef Grünwidl und Caritasdirektor Klaus Schwertner. „Erntedank erinnert uns daran, dass vieles, was unser Leben trägt, nicht selbstverständlich ist. Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen unter finanziellem Druck stehen, zeigt sich, wie wichtig Zusammenhalt und gelebte Solidarität sind. Teilen gehört zum Kern unseres christlichen Glaubens. Mit der Erntedanksammlung setzen Pfarren in ganz Wien und Niederösterreich ein konkretes Zeichen der Nächstenliebe und unterstützen Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind“, betont der Erzbischof Josef Grünwidl.
Die Herausforderungen für viele Menschen bleiben groß: Laut offizieller Statistik hat die Zahl armutsgefährdeter Menschen im Vergleich zum Vorjahr um 157.000 zugenommen. Gleichzeitig verzeichnet die Caritas seit Jahren einen steigenden Unterstützungsbedarf in den Einrichtungen. „Die Teuerungen der vergangenen Jahre wirken bis heute nach und bringen viele Menschen an ihre Grenzen. Wir erleben täglich, dass Familien, Alleinerziehende, ältere Menschen und Menschen mit geringem Einkommen jeden Euro mehrfach umdrehen müssen. Für viele sind haltbare Lebensmittel längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Die Nachfrage in unseren Einrichtungen bleibt hoch, gleichzeitig fehlen genau jene Produkte, die Menschen im Alltag am dringendsten brauchen. Deshalb zählt jede einzelne Spende. Niemand sollte sich zwischen einer warmen Mahlzeit, dem Einkauf von Lebensmitteln oder der Bezahlung der Miete entscheiden müssen“, sagt Klaus Schwertner, Caritasdirektor der Erzdiözese Wien.
Haltbare Lebensmittel dringend benötigt
Mit dem Projekt Le+O verbindet die Caritas Armutsbekämpfung mit dem Kampf gegen Lebensmittelverschwendung. Mehrmals pro Woche werden Lebensmittel aus Supermärkten vor dem Müll gerettet und an Menschen mit geringem Einkommen ausgegeben. Darunter befinden sich häufig frische Produkte, die nur begrenzt haltbar sind. „Lebensmittel gehören in den Magen und nicht in den Müll! Dank unserer Partnerbetriebe können wir jedes Jahr große Mengen an Lebensmitteln vor der Entsorgung bewahren. Gleichzeitig zeigt sich aber, dass haltbare Produkte wie Öl, Reis, Kaffee, Zucker, Salz oder Konserven oft fehlen. Gerade diese Lebensmittel werden von unseren Gästen besonders nachgefragt. Deshalb ist die Erntedanksammlung eine unverzichtbare Unterstützung“, so Schwertner. Die haltbaren Lebensmittel können in den teilnehmenden Pfarren abgegeben werden.
Hilfe, die ankommt: Bis zu 22 Tonnen Lebensmittel Woche für Woche
In den insgesamt 16 Le+O-Ausgabestellen in Wien und Niederösterreich werden jede Woche bis zu 22 Tonnen gerettete und gespendete Lebensmittel an armutsbetroffene Menschen verteilt. Mehr als 800 Freiwillige engagieren sich in den Ausgabestellen, in der Logistik und im Rahmen der Lebensmittelsammlung. „Die Erntedanksammlung zeigt jedes Jahr aufs Neue, wie groß die Bereitschaft ist, zu helfen. Unser Dank gilt allen Spenderinnen und Spendern, den Pfarren und den vielen Freiwilligen, die dieses starke und wichtige Zeichen der Mitmenschlichkeit möglich machen. Jede Spende macht satt und zeigt Menschen in schwierigen Lebenslagen, dass sie nicht allein sind“, betont Schwertner. Le+O steht für „Lebensmittel und Orientierung“ und ist das größte Freiwilligenprojekt der Caritas der Erzdiözese Wien. Neben der Ausgabe von Lebensmitteln erhalten die Gäste bei Bedarf auch Beratung und Unterstützung bei sozialen und finanziellen Fragen. Das Projekt verbindet damit unmittelbare Hilfe mit nachhaltiger sozialer Begleitung auf dem Weg aus schwierigen Lebenssituationen. Aktuell sucht die Initiative freiwillige Fahrer*innen, die regelmäßig mit Transportern oder LKWs Lebensmittelabholungen übernehmen möchten.
Weitere Informationen zur Erntedanksammlung und zu den teilnehmenden Pfarren sind hier zu finden.
